Kategorie-Archiv: Erneuerbare Energien

Mikrobiologische Hygiene in Biogasanlagen

Entgegen vielen Anschuldigungen vermehren sich pathogene Erreger nicht

Immer wieder wird behauptet, Biogasanlagen könnten Brutstätten für gefährliche Bakterien oder Viren sein. Doch Studien widersprechen dem. Allerdings werden auch nicht alle Keime in der Anlage vernichtet.

Ob während der im vergangenen Sommer in Deutschland grassierenden Ehec-Epidemie, bei unerklärlichen Rindererkrankungen oder anderen mysteriösen Infektionen, stets werden auch Biogasanlagen als Quelle der Keime an den Pranger gestellt. Schliesslich würden in vielen solcher Anlagen Gülle, Speisereste und teilweise sogar Abfälle aus Schlachthöfen – also potenziell mit Erregern belastetes Material – vergoren und die Gärreste als Dünger auf Felder ausgebracht, wird argumentiert. Zudem könnten Biogasanlagen regelrechte Brutstätten für Keime sein, da diese bei den dortigen Temperaturen zwischen 38 und 42 Grad Celsius sowie unter Ausschluss von Sauerstoff ideale Wachstumsbedingungen vorfänden. Doch wie zutreffend sind solche Behauptungen?

Pasteurisierung vorgeschaltet

Experten an diversen Forschungseinrichtungen in Europa sind in letzter Zeit dieser Frage nachgegangen. Niemand zieht den Klärungsbedarf in Zweifel. Schliesslich sind Biogasanlagen derzeit, dank dem enormen Aufwärtstrend der sogenannt grünen Energie, mehr und mehr gefragt (siehe Kasten). Zudem ist es unbestritten, dass pathogene Bakterien oder Viren mit Gülle oder Abfällen in eine Biogasanlage gelangen können. Doch sämtliche Untersuchungen haben gezeigt, dass im Verlaufe des Gärungsprozesses fast alle Erreger um mehrere Zehnerpotenzen oder – anders ausgedrückt – zu über 99 Prozent reduziert werden. Dies gilt laut den Veröffentlichungen zum Beispiel für Salmonellen, sämtliche untersuchte E.-coli-Varianten inklusive Ehec, Influenzaviren und auch für viele Pflanzenschädlinge.

Laut Urs Baier vom Institut für Biotechnologie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften herrschen in Biogasanlagen keineswegs ideale Wachstumsbedingungen für gefährliche Keime. Zum einen sei dort der Konkurrenzdruck für eingebrachte Erreger sehr hoch. Denn für die Vergärung benötige man grosse Mengen an Abfall-verarbeitenden und Methan-produzierenden Bakterien. Gegenüber dieser Übermacht könnten sich die vergleichsweise wenigen Neuankömmlinge kaum behaupten. Das sei ähnlich wie in unserem Darm. Auch dort könnten sich pathogene Bakterien aus der Nahrung im Normalfall nicht festsetzen und vermehren, sagt der Biotechnologe. Zum anderen seien in den Anlagen der Säuregehalt und andere Parameter optimal auf die für die Vergärung benötigten Bakterien eingestellt, nicht aber für Salmonellen oder E.-coli-Bakterien.

Um die mikrobiologische Sicherheit weiter zu erhöhen, müssen in Deutschland, in der Schweiz und laut Verordnung in allen EU-Ländern viele Abfälle laut den jeweiligen Abfallverordnungen vor dem Einsatz in einer Biogasanlage einem vorgeschalteten Hygienisierungsschritt unterzogen werden. So müssen Speisereste und tierische Abfälle mindestens eine Stunde bei 70 Grad Celsius entkeimt werden oder eine andere, offiziell anerkannte und ebenso wirksame Massnahme zur Tötung der Keime durchlaufen.

Eine Besonderheit stellen sogenannte thermophile Biogasanlagen dar. Diese Anlagen vergären das Material bei über 53 Grad Celsius. Wenn die dauerhafte Einhaltung dieser Temperatur durch Messungen nachgewiesen werde und der Anlagetyp eine Hygieneprüfung durchlaufen habe, könne die vorgängige Hygienisierung von Speiseresten entfallen, sagt Markus Hardegger, Leiter des Fachbereichs Dünger am Bundesamt für Landwirtschaft. Denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass pathogene Keime auf diese Weise vernichtet würden.

Baier und andere Experten betonen zudem, dass Landwirte gemäss der immer einzuhaltenden guten landwirtschaftlichen Praxis Gärreste ebenso wie normale Gülle nicht auf Gemüsefeldern kurz vor der Ernte oder auf Weideflächen direkt vor der Nutzung durch Tiere verteilten sollten. Biogasanlagen seien zwar ein vergleichsweise neues Element in der Abfallverwertungskette, sagt Baier. Aber da sie die Menge allfällig vorhandener Keime in keinem Fall erhöhen, hängt das mikrobiologische Risiko von Gärresten aus Biogasanlagen von der korrekten Einhaltung aller Regeln ab.

Vorsicht mit Pflanzenabfällen

Allerdings gibt es Erreger wie etwa einige Pflanzenschädlinge oder Clostridien, von denen manche Stämme für Menschen und Tiere gefährlich sind, die in keiner Biogasanlage komplett inaktiviert oder vernichtet werden. Eine kürzlich veröffentliche Studie aus Schweden kommt zu dem Schluss, dass in den Gärresten von Biogasanlagen ein bis drei Zehnerpotenzen weniger Clostridien vorhanden waren als im Ausgangsmaterial. Somit sind Gärreste zwar nicht absolut Clostridien-frei, aber weniger gefährlich als Gülle, welche ebenfalls ohne spezielle antibakterielle Behandlung als Dünger verwendet wird.

Da einige für Pflanzen schädliche Erreger wie Aspergillus- oder Mehltaupilze in Biogasanlagen auch nur teilweise inaktiviert würden, dürften damit belastete Pflanzenteile auf keinen Fall in Biogasanlagen entsorgt werden, sagen viele Experten. Alle Betreiber müssten immer vor der Beschickung der Anlage das ankommende Material per Auge überprüfen. Bauern oder Firmen dürften solches Material gar nicht erst an Biogasanlagen liefern. Denn sonst können via Gärreste Pflanzenschädlinge wieder in die Kulturen eingebracht werden. Das ist zwar keine Gesundheitsgefährdung für die Menschen, aber ein wirtschaftlicher Schaden.

Quelle: Stephanie Lahrtz, NZZ-Nachrichten Wissenschaft

 

Der Bundesrat fordert eine geringere Vergütung für große Biomasseanlagen

Das vorliegende Gesetz der Bundesregierung begünstigt nach Ansicht des Bundesrates die Förderung großer Biogasanlagen und großer Strukturen. Gleichzeitig bleiben den landwirtschaftlichen Anlagen nicht genügend wirtschaftliche Grundlagen für Neuinvestitionen. Weiterhin ist der Bundesrat der Auffassung, dass die Nachteile großer Biogasanlagen sowie die Vorteile regionaler Wertschöpfung nicht berücksichtigt wurden.

Der Bundesrat schlägt daher eine Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Vergütung für kleinere Biogasanlagen vor, ohne die Grundstrukturen des EEG zu verändern. Dadurch sollen Träger einer dezentralen Energieversorgung und Investoren beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien Planungssicherheit erhalten.

Dezentrale, durch landwirtschaftliche Unternehmen getragene Biogasanlagen sind laut Bundesrat die Basis für ein dezentrales Wärmeversorgungsnetz und können zudem mit der im Unternehmen anfallenden Biomasse (Gülle, Mist, Futterreste und Anteile an Mais sowie Getreide) betrieben werden. Für Anlagen derLeistungsklasse bis 150 kW sieht der Bundesrat deshalb eine Erhöhung der Grundvergütung für Strom von 14,3 Cent/kWh auf 16,3 Cent/kWh vor. Gleichzeitig soll die Obergrenze der dritten Leistungsstufe von 5 Megawatt auf 2 Megawatt abgesenkt und die Zusatzvergütung in der Einsatzvergütungsklasse II für Anlagen bis 500 kW von 8 Cent/kWh auf 9 Cent/kWh erhöht werden.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Gesetz zur Neuregelung des Rechtsrahmens für die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
Empfehlungen des Bundesrates zum Gesetz
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Hamburger Stadtreinigung baut Trockenfermentationsanlage

Die Hamburger Stadtreinigung baut laut dem Magazin Entsorga eine Trockenfermentationsanlage, die der bereits bestehenden Kompostierungsanlage vorgeschaltet werden soll. Bei Fertigstellung ist eine jährliche Durchlaufmenge von ca.70.000 Tonnen möglich.

Die Stadtreinigung plant das erzeugte Biogas aufzubereiten und als Biomethan in eine benachbarte Erdgasleitungeinzuspeisen. Durch die neue Fermentationsanlage kann die Stadtreinigung laut ihrem Sprecher Herrn Reinhard Fiedler aus dem Betrieb einer Müllverbrennungsanlage aussteigen. Doch ob die Fermentationsanlage mit dem Erlös der Einspeisung des Biomethans in die Erdgasleitung wirtschaftlich betrieben werden kann, ist nach Einschätzung Fiedlers durch die Kosten der Getrenntsammlung zweifelhaft.

Die Kompostieranlage weist momentan einen jährlichen Input von 30.000 Tonnen Grünschnitt und Bioabfällen auf, die zu 10.000 Tonnen Kompost verarbeitet werden. Es wird jedoch zur Zeit nur ein geringer Teil der möglichen Bioabfälle aus den Haushalten in einer getrennten Sammlung erfasst und der Kompostieranlage zugeführt. Nach Schätzungen der Stadtreinigung wird der Output der Kompostieranlage aber auf 30.000 Tonnen steigen, sofern alle Bioabfälle der Hamburger Haushalte in die Biotonne gegeben und über die Trockenfermentationsanlage in die Kompostierung gelangen.

Die vorgeschaltete Vergärung darf dabei jedoch nicht auf Kosten der stofflichen Verwertung erfolgen. Ähnliches gilt für die thermische Verwertung von Holz. Wenn zu viel Strukturmaterial der Kompostierung entnommen wird, kann keine qualitätsorientierte Kompostierung stattfinden. Dass die Kombination aus Vergärung und Kompostierung funktioniert, zeigen mehrere Betriebe in Norddeutschland, die sich in dem Verband der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord (VHE-Nord) zusammengeschlossen haben.

In einer Studie führte das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg Berechnungen zur Leistungsfähigkeit der Vergärung von Bioabfällen durch. Danach ist bei einem bundesweiten Anstieg der Vergärung von 15 % auf 80 % und gleichzeitiger technischer Optimierung eine Einsparung von 790.000 Tonnen Treibhausgasen möglich.

Berliner Energiekonferenz am 4. und 5. Mai

Die Berliner Energiekonferenz befasst sich mit Themen aus dem Gebiet der Erneuerbaren Energien. Schwerpunkte werden sowohl die stoffliche und energetische Verwertung von Biomasse als auch die Vergärung und Biogaserzeugung sein.

Am 4. Mai werden die Themen Stromnetze, Strategien und Konzepte sowie Wirtschaft und Recht behandelt. Am 5. Mai liegt der Schwerpunkt auf der Biomasse mit einer stofflichen und energetischen Nutzung, dem

Biogas, Ersatzbrennstoffen sowie Netze, Speicher und Windenergie. Die Themen am zweiten Tag finden in Parallelsitzungen statt.

Die Konferenz bewegt sich in der aktuellen Diskussion um die Reduzierung von Treibhausgasen, den Ausbau der erneuerbaren Energien und den damit verbundenen strukturellen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Programm und Anmeldung

Abfallbilanz von Hausmüll in Bayern

Im Jahr 2009 konnten aus den Haushalten und Gewerbebetrieben 1,86 Mio. t Bioabfall und Grüngut erfasst werden. Der Hauptteil (1,6 Mio. t) ging in die Kompostierung und Vergärung. Nur kleine Mengen von 0,07 Mio. t wurden energetisch bzw. 0,19 Mio. t direkt in der Landwirtschaft verwertet.

Das kommunale Grüngut macht 83,8 % an der erfassten Menge von 1.134.813 t (91 kg/Einw.) bei entsorgungspflichtigen Körperschaften aus. Der Rest entfällt auf Grüngut mit 16,2 % (14,6 kg/Einw.) auf Haushalte und die Pflege von kommunalen Grünflächen.

Die Grüngutverwertung aus den Haushalten konnte im Vergleich zum Vorjahr um 5 % auf 950.641 t gesteigert werden. Das entspricht einem Erfassungswert pro Kopf von 76,1 kg und ist der höchste Wert seit 1991 und entspricht etwa 14,6 kg pro Einwohner und Jahr. Die Verwertung von holzigen Abfällen hat dabei im Vergleich zu Vorjahr um 58 % auf 43.776 tzugenommen.

Die getrennte Erfassung von Bioabfällen wurde in 80 kreisfreien Städten und Landkreisen durchgeführt. Dabei wurde eine Menge von 637.430 t (51,0 kg/Einw.) Bioabfall ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von 2,9 %. Dieenergetische Verwertung der Bioabfälle ist im Jahr 2009 um 4,1 % auf 26.391 t gestiegen.

Für 2009 konnte eine Kompostierung von 930.147 t Bioabfällen mit Grüngut festgestellt werden. Die in Bayern entstandenen Bioabfälle wurden zum großen Teil auch in Bayern kompostiert. Nur 1,7 % der Abfälle sind nach Baden-Württemberg, Thüringen oder Sachsen in die Verwertung gekommen.

Die Vergärung von Bioabfällen aus Körperschaften hat um 30.000 t zugenommen. Gleichzeitig wurde die verfügbare Kapazität der Biogasanlagen (18 gemeldete Anlagen im Jahr 2009) durch zwei neue Anlagen mit einem Jahresdurchsatz von > 18.000 t erhöht.

Anlagen (Kompostierung und Vergärung) zur Behandlung von Grüngut haben im Jahr 2009 710.070 t (40 % der erfassten Abfälle) Grüngut behandelt. Die Menge hat sich auf 260 Anlagen verteilt. Im Gegensatz zu Bioabfällen wurde das Grüngut ausschließlich in Bayern behandelt.

Eine detaillierte Ausführung der Abfallbilanz erhalten Sie in der Publikation „Hausmüll in Bayern – Bilanzen 2009“.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Publikation: Hausmüll in Bayern – Bilanzen 2009
Karte Kompostier- und Vergärungsanlagen für Verarbeitung von Bioabfall (auch mit Grüngut)
Bayernkarte zur Bioabfallerfassung
Kompostier- und Vergärungsanlagen für Grüngut 2009
Kompostier- und Vergärungsanlagen für Bioabfälle 2009
Kompostieranlagen für Bioabfälle in Bayern 2009

Internat. Kongress: Fortschritte bei Biogas II

Vom 30. März bis zum 1. April 2011 findet in Stuttgart ein internationaler Kongress zum Thema „Biogasproduktion von der landwirtschaftlichen Biomasse zum organischen Rückstand“ statt. Dabei werden die Entwicklungen beim Ausbau der Biogasproduktion weltweit genauer betrachtet. Personen der verschiedensten Bereiche (Praktiker, Ingenieure, Wissenschaftler und Politiker) werden zu den einzelnen Prozessschritten Vorträge halten und Meinungen austauschen.
Begleitet wird der Kongress durch eine Ausstellung und jeweils eine landwirtschaftliche und wissenschaftliche Exkursion.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Programmübersicht
www.progress-in-biogas.com

Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland erneut gestiegen

Im Jahr 2010 ist die Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland um ca. 1000 Neuanlagen auf insgesamt 6000 gestiegen. Die Anlagenanzahl konnte seit 1992 bisher um das 40fache gesteigert werden. Im letzten Jahr konnten daher schätzungsweise 4,3 Mio. Haushalte mit etwa 15 Mrd. Kilowattstunden Strom versorgt werden. Dabei wurden annähernd 4,7 Mrd. € erwirtschaftet.

Der Präsident des Fachverbandes Biogas e.V., Josef Pellmeyer, sieht die Gründe für die rasante Entwicklung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Seit April 2000 ist das Gesetz in Kraft und gibt den Betreibern entsprechende Planungssicherheit. Durch die Diskussion um eine vorzeitige Novellierung des Gesetzes, die sowieso schon um ein Jahr vorverlegt wurde, entsteht laut Josef Pellmeyer eine Verunsicherung bei den Anlagenbetreibern.

Hinzu kommt eine Diskussion über den Sinn des NawaRo-Bonus (Zusatzvergütung für Strom aus NawaRo-Produkten). Nach Ansicht des Präsidenten ist der NawaRo-Bonus, so wie er zur Zeit ist, gut. Stattdessen sollte der Gülle-Bonus angepasst werden. Die in den Medien genannten Probleme, Ausweitung des Energiepflanzenanbaus und eine stetig wachsende Zahl Biogasanlagen, tritt laut Josef Pellmeyer nur in Gebieten mit viel Viehhaltung und damit verbundener Gülleproduktion auf. Bisher ist der Gülle-Bonus an den NawaRo-Bonus gekoppelt. Aus diesem Grund werden zur Zeit in Gebieten mit viel Viehhaltung übermäßig viele Energiepflanzen angebaut und Biogasanlagen in Betrieb genommen. Durch eine Entkopplung vom NawaRo-Bonus, so ist Josef Pellmeyer überzeugt, würde den Problemen entgegengewirkt. Hinzu kommt eine Mindestschwelle für den Gülle-Bonus. Erst wenn der Input zu 30 Massenprozent aus Gülle besteht, wird der Bonus gewährt. Mit einer Abschaffung der Mindestschwelle und einer Miteinbeziehung von Abfall-Biogasanlagen würden zusätzliche Ursachen eliminiert werden.

Bei einer Kombination von Gülle, Energiepflanzen und Reststoffen sieht der Verband eine mögliche Leistungssteigerung der jetzigen Anlagen bis zum Jahr 2020 um das Dreifache voraus, besonders da Gülle bislang nur zu einem Fünftel in Biogasanlagen gelangt. Eine Lebensmittelverknappung wäre nach dessen Ansicht nicht gegeben. In Zukunft würde auch der Mais durch andere Energiepflanzen, je nach Standortbedingungen, ergänzt bzw. ersetzt. Zu nennen sind die Zuckerrübe, die Durchwachsene Silphie und in Erprobung befindliche Energiepflanzen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Fachverband Biogas e.V.
Biogas Branchenkennzahlen 2010
Positionspapier zur EEG Novelle 2011/2012

Förderprogramm für nachwachsende Rohstoffe

Das BMELV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) unterstützt mit dem Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ ca. 250 Projekte zur stofflichen Nutzung von Biomasse. Dafür stehen insgesamt 65 Millionen Euro zur Verfügung.

Den Schwerpunkt sieht Clemens Neumann (Abteilungsleiter für biobasierte Wirtschaft) besonders auf Werk- und Wertstoffen, Technologien zur Bioraffinerie und pflanzlichen Arzneimitteln liegen, da hier seiner Meinung nach die Wachstums- und Innovationspotenziale für Deutschland seien. Durch die stärkere Nutzung nachwachsender Rohstoffe können nicht nur fossile Ressourcen eingespart werden, sondern dadurch werden auch der Klima- und Umweltschutz gefördert und ländliche Räume gestärkt. Ferner bedingt die verstärkte Nutzung nachwachsender Rohstoffe die Entwicklung neuer Technologien und Produkte.

Die Förderschwerpunkte liegen auf:

  • Züchtungsforschung und Züchtung im Bereich der Energiepflanzen,
  • Biopolymerwerkstoffe, holz- und naturfaserverstärkte Kunststoffe,
  • alternative pelletierte Biobrennstoffe für Biomassefeuerungsanlagen im Geltungsbereich der 1. BISchV,
  • stoffliche und konstruktive Nutzung von Holz,
  • Synthese und Anwendung von Spezial- und Feinchemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen,
  • technische Kunststoffe und Spezialpolymere aus nachwachsenden Rohstoffen.

Eine Verwendung der Fördermittel ist für folgende Themenbereiche vorgesehen:

  • Aufbau von Produktlinien von der Erzeugung bis zur Verwendung nachwachsender Rohstoffe,
  • Durchführung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben zur Erschließung weiterer Verwendungsmöglichkeiten im Nichtnahrungsmittelsektor,
  • Informationsvermittlung und Beratung, vor allem für Produzenten, Verarbeiter und Anwender nachwachsender Rohstoffe,
  • Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Weitere Förderschwerpunkte sind für das Jahr 2011 geplant:

  • feste Bioenergieträger,
  • nachhaltiger Energiepflanzenanbau,
  • biobasierte Polymere und biobasierte naturfaserverstärkte Kunststoffe (NFK),
  • stoffliche Nutzung von Lignin.

Das Förderprogramm basiert auf dem im Jahr 2009 verabschiedeten „Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe“. Danach soll der Umfang und die Effizienz des Biomasseeinsatzes deutlich und anhaltend gesteigert, Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt sowie die international führende Rolle Deutschlands gesichert werden. Im Aktionsplan sind zwölf Handlungsfelder genannt, die die geeigneten Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele des Aktionsplans definieren.

Die produktübergreifenden Handlungsfelder sind:

  • Sicherung der Rohstoffbasis,
  • Sicherung der Nachhaltigkeit,
  • Forschung und Entwicklung,
  • Förderung der Markteinführung,
  • Information,
  • öffentliches Auftragswesen.

Die produktspezifischen Handlungsfelder sind:

  • industrielle Biotechnologie und Raffinerien,
  • biobasierte Werkstoffe einschließlich naturfaserverstärkte Kunststoffe,
  • Bauen und Wohnen,
  • oleochemische Anwendungen,
  • Zellstoffnutzung, Stärkeverarbeitung,
  • Phytopharmaka und Kosmetika.

Die Vorteile der Nutzung nachwachsender Rohstoffe sind vielseitig. Neu entwickelte Produkte können momentan verwendete und weniger ökologische Produkte ersetzen, der CO2-Ausstoß kann verringert und auf fossile Ressourcen basierende Produkte können ersetzt werden, die Wertschöpfung könnte höher sein als bei aktuellen Produkten und die Beschäftigung würde steigen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
politische Rahmenbedingungen und Produktbeispiele
Übersicht über aktuelle Förderschwerpunkte
Aktionsplan
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V

Langfristige Strategie für Biomasse-Einsatz

Das Umweltbundesamt befürwortet die Bindung des Einsatzes von Biomasse an Nachhaltigkeitskriterien wie z.B. die Mehrfachnutzung, da die Nutzung von Bioenergie nur dann sinnvoll ist, wenn im Vergleich zu fossilen Energieträgern weit weniger Treibhausgase produziert werden. Das UBA-Forschungsprojekt „Bio-global“ zeigt dazu langfristige Strategien auf.

Anstelle des üblichen Anbaus und der direkten Verwendung der Biomasse zur Energieherstellung sollte eine Nutzungskaskade errichtet werden, um nachwachsende Rohstoffe erst stofflich zu verwenden. Nur nach einerMehrfachnutzung, z.B. von Holz oder Pflanzenölen, sollten Abfall- und Reststoffe für die Energiegewinnung eingesetzt werden.

Für den Anbau von Energiepflanzen und industriell genutzten Rohstoffen sollen ebenfalls Standards eingeführt werden. So ist deren Anbau bevorzugt auf den Flächen vorzunehmen, die nicht oder nur in eingeschränkter Weise für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion geeignet sind. Ferner sollte der Anbau von Energiepflanzen keine negativen Folgen für die Biodiversität haben oder indirekte Landnutzungsänderungen verursachen. Dazu zählt auch eine Vermeidung von negativen Auswirkungen auf den Boden sowie den Wasserhaushalt. Ein extensiver Anbau mit standortangepassten Pflanzen und Anbausystemen ist somit vorzuziehen. Ein anderer Ansatzpunkt liegt in der Entwicklung von verbindlichen projektbezogenen Nachhaltigkeitsstandards für internationale und bilaterale Finanzierungsinstitute, vor allem für Boden, Wasser, Biodiversität und soziale Bedingungen.

Ein erster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit liegt in der Zertifizierung und dem Nachweis der nachhaltigen Herstellung der eingesetzten pflanzlichen nachwachsenden Rohstoffe als Bioenergieträger durch die Energieerzeuger ab 2011.

Die momentan einzige Institution, die Nachhaltigkeitsstandards für Bioenergie international abstimmt, ist die G8-Initiative „Global Bioenergy Partnership“ (BGEP). Daher müssen in bestehende globale Konventionen Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse aufgenommen werden. Um für alle Biomassen Nachhaltigkeitsanforderungen im Anbau, in der Verarbeitung und im Einsatz einführen zu können, setzt sich das UBA für weitere Forschungsprojekte ein.

Der entsprechende Forschungsbericht „Entwicklung von Strategien und Nachhaltigkeitsstandards zur Zertifizierung von Biomasse für den internationalen Handel“ erschien in der Reihe UBA-Texte als Nr. 48/2010 (deutsch) und Nr. 49/2010 (englisch).
Die deutsche Version können Sie sich hier herunterladen.

Erneuerbare Energien: Bände 3 und 4 erschienen

Nachdem die Bände 1 und 2 der Buchreihe „Erneuerbare Energien“ erschienen sind, werden nun die Bände 3 und 4  angeboten.

Band 3 widmet sich den Strategien zur Energieversorgung aus Sicht des Sachverständigenrates, von Verbänden und aus Sicht der Wirtschaft. Dabei werden das Emissionshandelsrecht als auch die Schwierigkeiten bei der Genehmigungdargestellt. Dazu wird über Eigentümerstrukturen referiert sowie eine Prognose zur zukünftigen Verteilung des Marktes und zum Anteil der großen Energieversorgungsunternehmen abgegeben. In Beiträgen erhält der Leser einen Einblick in Forschungsaktivitäten und einen Ausblick auf die Energieversorgung der Zukunft. Erstmals werden dieSchlüsselbereiche Netze und Speicher unter rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten beleuchtet.

In Band 4 wird der zweite Band ergänzt und aktualisiert. Im Themenblock Biomasse ist ein fundierter Überblick über dieBiomasse-Versorgungskette entstanden. Die Teilthemen reichen von der Brennstoffversorgung über die Aufbereitungbis zur Verbrennungstechnik. Zusätzlich werden verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung von Korrosion vorgestellt. Neben dem Thema Verbrennung wird ebenso die Vergasung von Biomassen und die Heißgasreinigung der erzeugten Synthesegase behandelt. Um die Verwendungspotentiale durch eine Kaskadennutzung darzustellen, wird Holz als Beispiel behandelt.

In dem Themenbereich Vergärung wird zunächst durch einen Überblick über die vorgeschaltete Aufbereitung des Inputmaterials und die Darstellung verschiedener Konzepte der Bioabfallvergärung eingeführt. Daneben beschäftigen sich weitere Beiträge mit der Effizienzsteigerung von Vergärungsanlagen, den Emissionen aus Biogasanlagen einschließlich Maßnahmen zu deren Vermeidung und Verminderung sowie den Gärresten aus der Bioabfallbehandlung.

Weitere Themen sind die Aufbereitung und Verwertung von Ersatzbrennstoffen mit Schwerpunkt auf den Einsatz in der Zementindustrie, die Solarenergieund die Windenergie.

Die einzelnen Bände oder die komplette Reihe können hier bezogen werden.