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Vier Stunden bleiben Zeit: neue Regelung zum Einarbeiten flüssiger Stickstoffdünger

Jetzt ist es amtlich: Vier Stunden bleiben ab kommendem Jahr längstens Zeit, um auf unbestellten Ackerflächen flüssige Stickstoffdünger einzuarbeiten. Dies regeln die geänderten Vollzugshinweise zum § 4 Absatz 2 der Düngeverordnung. Bisher galt die „unverzügliche Einarbeitung“ als erfüllt, wenn die ausgebrachten flüssigen Dünger innerhalb desselben Tages oder, wenn ein Landwirt am Abend gedüngt hatte, am folgenden Vormittag eingearbeitet wurden.

Ein Brief des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, der dem Wochenblatt vorliegt, informiert die Landwirtschaftsämter und die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft über die Hintergründe der neuen Vollzugshinweise (siehe Kasten). Das Ziel, das damit verfolgt wird, lautet, die Ammoniakemissionen zu verringern. Die Landwirtschaft ist dabei besonders in der Pflicht, weil sie 95 % dieser Emissionen zu verantworten hat.

Schon am 1. April dieses Jahres hat die Agrarministerkonferenz entschieden, den Passus der „unverzüglichen Einarbeitung“ genauer zu erklären. Dies auch deshalb, weil Deutschland ansonsten Strafzahlungen an die EU zu befürchten gehabt hätte. Denn die EU fordert schon seit 2001 von Deutschland die Einhaltung einer Obergrenze von 550.000 t Ammoniak, die – trotz rückläufiger Mengen – mehrmals überschritten wurden.

Der Bayerische Bauernverband bestätigt zwar einerseits das Interesse der Landwirte, den wertvollen Stickstoff der flüssigen Dünger so gut wie möglich zu verwerten, und damit auch das Interesse an einer schnellen Einarbeitung. Er wendet sich jedoch im Vorfeld gegen starre Regelungen. Der Bauernverband wertet es für sich als Erfolg, dass die Vierstundenregel nicht in der Düngeverordnung selbst, sondern nur in den Vollzugshinweisen festgehalten ist. Bayern und zwei weitere Bundesländer lassen zudem bei einigen Sonderfällen Ausnahmen zu. Trotzdem sollten Landwirte künftig grundsätzlich innerhalb der Vierstundenfrist einarbeiten.

Laut dem Brief des Landwirtschaftsministeriums gilt für den „Abschluss der Einarbeitung“, dass die „vorgefundenen Verhältnisse auf jeder Teilfläche eines Feldstückes entscheidend“ sind. Das bedeutet, dass auf jeder Teilfläche die ausgebrachten Dünger nicht länger als vier Stunden unbearbeitet verbleiben sollen.

So lauten die neuen Vollzugshinweise:

Die Vollzugshinweise zu § 4 Abs. 2 Düngeverordung sind ab dem 01.01.2012 gültig. Sie lauten folgendermaßen:

„Diese Regelung gilt, um die gasförmigen Ammoniakverluste so gering wie möglich zu halten. „Unverzüglich“ bedeutet, „ohne schuldhaftes Zögern“.

Zur Erfüllung dieser Anforderung kommen folgende Verfahren in Betracht:

  • Direkte Einarbeitung: Die Aufbringung erfolgt mittels Injektionstechnik oder einem Kombinationsgerät, das sowohl aufbringt als auch direkt einarbeitet.
  • Getrennte Aufbringung und Einarbeitung: Bei einer der Aufbringung folgenden Einarbeitung (paralleles oder absätziges Verfahren) soll die Einarbeitung schnellstmöglich, in der Regel jedoch innerhalb von vier Stunden nach Beginn der Aufbringung, abgeschlossen sein. Werden die betroffenen Düngemittel bei einer aus fachlicher Sicht ungünstigen – weil emissions- und damit verlustträchtigen – Witterung aufgebracht, sollen kürzere Einarbeitungszeiten eingehalten werden.

Für die Beurteilung, ob ein Verstoß gegen die Pflicht zur unverzüglichen Einarbeitung vorliegt, ist auch die der Aufbringung folgende Witterung zu berücksichtigen. Insbesondere kann bei Regen oder bei einer Aufbringung bei niedrigen Temperaturen (z.B. am Abend) von geringen Ammoniakemissionen ausgegangen werden.

Bei beiden Verfahren ist dafür zu sorgen, dass es zu einer ausreichenden Einarbeitung in den Ackerboden kommt.

Das Einarbeitungsgebot gilt für

  • Gülle,
  • Jauche,
  • flüssige Gärreste (TM-Gehalt bis zu 15 Prozent),
  • sonstige flüssige organische Düngemittel (TM-Gehalt bis zu 15 Prozent) mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff,
  • sonstige flüssige organisch-mineralische Düngemittel (TM-Gehalt bis zu 15 Prozent) mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff und
  • Geflügelkot.“

Quelle: BLW 48, vom 02.12.2011 Seite 45

Stickstofflimitation in Binnengewässern

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung startet das Verbundforschungsprojekt NITROLIMIT, in dem die Stickstofflimitation in Binnengewässern untersucht wird. Neben Phosphor ist Stickstoff ein weiter Nährstoff, der das Algenwachstum fördern kann.

Durch eine hohe Nährstoffbelastung in vielen Gewässern entsteht starkes Algenwachstum, wodurch die Gewässergüte sinkt. Die schon stattfindende Limitation von Phosphoreinträgen hat viele Gewässer in einen besseren Zustand versetzt. Bei weniger Phosphor stehen den Algen weniger Nährstoffe zur Verfügung und deren Wachstum somit beschränkt. Bei einigen Gewässern trat dagegen keine Verbesserung ein. Neben Phosphor ist Stickstoff ein weiteres algenförderndes Mittel. Daher ist das Forschungsprojekt auf die Untersuchung von Möglichkeiten ausgelegt, das Algenwachstum über eine Stickstofflimitation zu beeinflussen und die Gewässergüte auch in den übrigen Gewässern zu verbessern.

Der erste Schritt wird die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und des ökologischen Nutzens einer Stickstofflimitation sein. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf:

  • Ermittlung des Einflusses von Stickstoff auf die Algenbiomasse und die Gewässergüte,
  • Quantifizierung von Stickstoffeinträgen, ihrer gewässerinternen Umsetzung und Austräge,
  • Abschätzung der zukünftigen Entwicklung der Gewässergüte bei verminderten Stickstoffkonzentrationen für verschiedene Klimaszenarien und
  • Erstellung eines Maßnahmenkatalogs zur Verringerung der Stickstoffeinträge und Analyse der Kosten der jeweiligen Maßnahmen.

NITROLIMIT steht während der gesamten Forschungsarbeit mit öffentlichen und wirtschaftlichen Maßnahmenträgern in Kontakt. Geleitet wird das Projekt von der BTU Cottbus in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB), dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der Technischen Universität Berlin und der Technischen Universität.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
NITROLIMIT

UBA-Broschüre „Stickstoff – Zuviel des Guten?“

Stickstoff ist für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Durch dessen Einsatz und Verfügbarkeit können die Erträge erhöht werden. Gleichzeitig stellt Stickstoff auch eine Gefährdung für Mensch und Umwelt dar, da er u.a. in das Wasser und die Luft abgegeben wird. Die Landwirtschaft ist für mehr als die Hälfte der Stickstoffemissionen verantwortlich. Verkehr, Industrie, Energiegewinnung und Abwässer sind ebenfalls Quellen für Stickstoffemissionen.

Stickstoffverbindungen, die in die Umwelt abgegeben werden, sind auf verschiedene Weisen gefährlich, z.B. gefährden Stickstoffoxide die menschliche Gesundheit, Nitrat setzt die Grundwasserqualität herab und Lachgas fördert den Klimawandel. Andere Verbindungen führen durch hohe Konzentrationen zu einer Versauerung und Überdüngung des Bodens oder von Gewässern. Eine übermäßige Düngung von Gewässern führt zu starkem Algenwachstum und einem möglichen Umkippen der Gewässer, zumindest aber zu einer Verschlechterung der Wasserqualität infolge des Abbaus toten organischen Materials der Algen durch Mikroorganismen.

In der Broschüre werden die Quellen und die Wirkung des Stickstoffs und seiner verschiedenen Verbindungen erläutert und es wird auf die globale historische Entwicklung der Stickstofffreisetzung eingegangen. Ebenso werden nationale und internationale Maßnahmen vorgestellt, die den ungewollten Stickstoffeintrag mindern können. Auch jeder Einzelne kann durch sein Verhalten den Stickstoffeintrag reduzieren. Möglichkeiten dazu werden ebenfalls vorgestellt.

UBA-Broschüre „Stickstoff – Zuviel des Guten?“
Weitere informative Links:
Integrierte Strategie zur Minderung von Stickstoffemissionen
UBA-Broschüre: „Gewässerschutz mit der Landwirtschaft“
Informationen zu Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie
Informationen zu reaktivem Stickstoff in der Umwelt