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Mikrobiologische Hygiene in Biogasanlagen

Entgegen vielen Anschuldigungen vermehren sich pathogene Erreger nicht

Immer wieder wird behauptet, Biogasanlagen könnten Brutstätten für gefährliche Bakterien oder Viren sein. Doch Studien widersprechen dem. Allerdings werden auch nicht alle Keime in der Anlage vernichtet.

Ob während der im vergangenen Sommer in Deutschland grassierenden Ehec-Epidemie, bei unerklärlichen Rindererkrankungen oder anderen mysteriösen Infektionen, stets werden auch Biogasanlagen als Quelle der Keime an den Pranger gestellt. Schliesslich würden in vielen solcher Anlagen Gülle, Speisereste und teilweise sogar Abfälle aus Schlachthöfen – also potenziell mit Erregern belastetes Material – vergoren und die Gärreste als Dünger auf Felder ausgebracht, wird argumentiert. Zudem könnten Biogasanlagen regelrechte Brutstätten für Keime sein, da diese bei den dortigen Temperaturen zwischen 38 und 42 Grad Celsius sowie unter Ausschluss von Sauerstoff ideale Wachstumsbedingungen vorfänden. Doch wie zutreffend sind solche Behauptungen?

Pasteurisierung vorgeschaltet

Experten an diversen Forschungseinrichtungen in Europa sind in letzter Zeit dieser Frage nachgegangen. Niemand zieht den Klärungsbedarf in Zweifel. Schliesslich sind Biogasanlagen derzeit, dank dem enormen Aufwärtstrend der sogenannt grünen Energie, mehr und mehr gefragt (siehe Kasten). Zudem ist es unbestritten, dass pathogene Bakterien oder Viren mit Gülle oder Abfällen in eine Biogasanlage gelangen können. Doch sämtliche Untersuchungen haben gezeigt, dass im Verlaufe des Gärungsprozesses fast alle Erreger um mehrere Zehnerpotenzen oder – anders ausgedrückt – zu über 99 Prozent reduziert werden. Dies gilt laut den Veröffentlichungen zum Beispiel für Salmonellen, sämtliche untersuchte E.-coli-Varianten inklusive Ehec, Influenzaviren und auch für viele Pflanzenschädlinge.

Laut Urs Baier vom Institut für Biotechnologie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften herrschen in Biogasanlagen keineswegs ideale Wachstumsbedingungen für gefährliche Keime. Zum einen sei dort der Konkurrenzdruck für eingebrachte Erreger sehr hoch. Denn für die Vergärung benötige man grosse Mengen an Abfall-verarbeitenden und Methan-produzierenden Bakterien. Gegenüber dieser Übermacht könnten sich die vergleichsweise wenigen Neuankömmlinge kaum behaupten. Das sei ähnlich wie in unserem Darm. Auch dort könnten sich pathogene Bakterien aus der Nahrung im Normalfall nicht festsetzen und vermehren, sagt der Biotechnologe. Zum anderen seien in den Anlagen der Säuregehalt und andere Parameter optimal auf die für die Vergärung benötigten Bakterien eingestellt, nicht aber für Salmonellen oder E.-coli-Bakterien.

Um die mikrobiologische Sicherheit weiter zu erhöhen, müssen in Deutschland, in der Schweiz und laut Verordnung in allen EU-Ländern viele Abfälle laut den jeweiligen Abfallverordnungen vor dem Einsatz in einer Biogasanlage einem vorgeschalteten Hygienisierungsschritt unterzogen werden. So müssen Speisereste und tierische Abfälle mindestens eine Stunde bei 70 Grad Celsius entkeimt werden oder eine andere, offiziell anerkannte und ebenso wirksame Massnahme zur Tötung der Keime durchlaufen.

Eine Besonderheit stellen sogenannte thermophile Biogasanlagen dar. Diese Anlagen vergären das Material bei über 53 Grad Celsius. Wenn die dauerhafte Einhaltung dieser Temperatur durch Messungen nachgewiesen werde und der Anlagetyp eine Hygieneprüfung durchlaufen habe, könne die vorgängige Hygienisierung von Speiseresten entfallen, sagt Markus Hardegger, Leiter des Fachbereichs Dünger am Bundesamt für Landwirtschaft. Denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass pathogene Keime auf diese Weise vernichtet würden.

Baier und andere Experten betonen zudem, dass Landwirte gemäss der immer einzuhaltenden guten landwirtschaftlichen Praxis Gärreste ebenso wie normale Gülle nicht auf Gemüsefeldern kurz vor der Ernte oder auf Weideflächen direkt vor der Nutzung durch Tiere verteilten sollten. Biogasanlagen seien zwar ein vergleichsweise neues Element in der Abfallverwertungskette, sagt Baier. Aber da sie die Menge allfällig vorhandener Keime in keinem Fall erhöhen, hängt das mikrobiologische Risiko von Gärresten aus Biogasanlagen von der korrekten Einhaltung aller Regeln ab.

Vorsicht mit Pflanzenabfällen

Allerdings gibt es Erreger wie etwa einige Pflanzenschädlinge oder Clostridien, von denen manche Stämme für Menschen und Tiere gefährlich sind, die in keiner Biogasanlage komplett inaktiviert oder vernichtet werden. Eine kürzlich veröffentliche Studie aus Schweden kommt zu dem Schluss, dass in den Gärresten von Biogasanlagen ein bis drei Zehnerpotenzen weniger Clostridien vorhanden waren als im Ausgangsmaterial. Somit sind Gärreste zwar nicht absolut Clostridien-frei, aber weniger gefährlich als Gülle, welche ebenfalls ohne spezielle antibakterielle Behandlung als Dünger verwendet wird.

Da einige für Pflanzen schädliche Erreger wie Aspergillus- oder Mehltaupilze in Biogasanlagen auch nur teilweise inaktiviert würden, dürften damit belastete Pflanzenteile auf keinen Fall in Biogasanlagen entsorgt werden, sagen viele Experten. Alle Betreiber müssten immer vor der Beschickung der Anlage das ankommende Material per Auge überprüfen. Bauern oder Firmen dürften solches Material gar nicht erst an Biogasanlagen liefern. Denn sonst können via Gärreste Pflanzenschädlinge wieder in die Kulturen eingebracht werden. Das ist zwar keine Gesundheitsgefährdung für die Menschen, aber ein wirtschaftlicher Schaden.

Quelle: Stephanie Lahrtz, NZZ-Nachrichten Wissenschaft

 

Kompostierung – hygienische Aspekte

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat seine Schrift „Kompostierung – hygienische Aspekte“ aktualisiert.

Im Zentrum stehen sowohl die hygienischen Aspekte als auch die richtige Durchführung einer Kompostierung. Damit dies ohne Risiken für die Gesundheit geschieht, werden Ratschläge zum korrekten Aufsetzen und zur richtigen Handhabungder Miete gegeben. Zusätzlich wird auf die biologischen und technischen Eigenheiten der Rotte sowohl bei der privaten auch bei der professionellen Kompostierung eingegangen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Schrift: Kompostierung – hygienische Aspekte

Entsorgung von Eierschalen

Aus aktuellem Anlass informieren wir über Änderungen bei der Entsorgung von Eierschalen. Ab dem 4. März 2011 gilt die Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates vom 21. Oktober 2009, welche die Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte regelt. Damit dürfen Eierschalen ohne vorherige Hygienisierung in einer Biogas- oder Kompostieranlage verarbeitet werden.

In Kapitel I, Abschnitt 4, Artikel 10 „Material der Kategorie 3“ unter Buchstabe k wird „… Material von Tieren, die keine Anzeichen von durch dieses Material auf Mensch oder Tier übertragbaren Krankheiten aufwiesen“ aufgeführt. Dazu zählt nach Punkt ii) Material von Landtieren. Aufgeführt werden Brütereinebenprodukte, Eier und Ei-Nebenprodukte, einschließlich Eierschalen.

In Kapitel II, Abschnitt 2, Artikel 14 „Beseitigung und Verwertung von Material der Kategorie 3“ heißt es weiterhin unter Buchstabe d, dass Material der Kategorie 3 so zu verarbeiten und zu verwenden ist, dass es „zur Herstellung organischer Düngemittel oder Bodenverbesserungsmittel, die gemäß Artikel 32 in Verkehr zu bringen sind“, geeignet ist. Eine Ausnahme bildet das Material der Kategorie 3, „das sich durch Zersetzung oder Verderb so verändert hat, dass es durch dieses Produkt eine unannehmbare Gefahr für die Gesundheit von Mensch oder Tier darstellt“. Verarbeitet oder verwendet werden kann das o.g. Material in der Kompostierung oder in Biogasanlagen.

Bis zum 4. März 2011 ist eine Hygienisierung des o.g. Materials nach der derzeitig gültigen Hygiene-Verordnung (EG) Nr. 1774/2002 durchzuführen. Das bedeutet, dass das Material eine maximale Kantenlänge von 12 mm aufweisen und mindestens 60 min. auf 70 °C erhitzt werden muss.

O.g Matarial darf derzeit nach der Hygiene-Verordnung (EG) Nr. 1774/2002 als Ausgangsstoff verwendet werden, sofern der Siebdurchgang zu 97 % bei 3,5 mm und zu 70 % bei 1,0 mm gewährleistet ist.

Verwertung von Grüngutabfällen

Die holzigen Anteile von Garten-, Park- und Landschaftspfegeabfällen werden neben der Kompostierung und Vergärung, auch als Brennmaterial eingesetzt. Dafür werden ca. 25 % des holzigen Anteils aus dem Gesamtabfall abgesiebt. Der restliche Feinanteil bleibt zurück und muss anderweitig verwertet werden. Dieser wird als Bioabfall eingestuft. Bei einer landwirtschaftlichen Verwertung des Grüngutsabfalls gelten daher weiterhin die Vorgaben der Bioabfallverordnung. Somit ist eine Pflicht zur Behandlung vorgeschrieben, durch die eine hygienische Unbedenklichkeit gewährleistet wird. Ferner müssen auch Untersuchungen bezüglich Inhaltsstoffen und der Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte vorgenommen werden. Wie bei anderen biologischen Abfällen müssen Nachweise erbracht und das Lieferscheinverfahren beachtet werden. Ferner gelten bei einer Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen die Düngemittelverordnung und die Düngeverordnung. Daher ist eine düngemittelrechtliche Kennzeichnung und somit eine Untersuchung unumgänglich. Nach den enthaltenen Nährstoffen, dem Nährstoffgehalt im Boden und den Nährstoffbedarf der Pflanzen ist eine Aufwandmenge zu berechnen und eine Empfehlung auszusprechen.

Durch die Befreiung von Untersuchungs- und Behandlungspflichten für Garten- und Parkabfälle bei einem Verbleib am Ursprungsort, fand eine großzügige Auslegung der Regelung statt, wodurch die Abfälle auch auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wurden. Dabei werden die oben genannten materiellen Anforderungen an die Hygiene und die Grenzwerte der BioAbfV und die Pflichten für u.a. Aufzeichnungen und Mitteilungen öfters vergessen. In der Novelleder Bioabfallverordnung ist eine grundsätzliche Ausnahmeregelung dieser Art nicht mehr vorgesehen. Es wird nur noch mit Zustimmung der jeweiligen Behörde in Einzelfällen über Ausnahmen entschieden.