Schlagwort-Archiv: Grüngut

Bio- und Grünguterfassung in Deutschland

biotonne_130Die Getrenntsammlung von verwertbaren Abfällen war schon im alten Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) verankert. Im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), das am 01.06.2012 in Kraft trat, wird die getrennte Sammlung von Bioabfällen ab dem 01.01.2015 verpflichtend vorgeschrieben.

Vom Verband der Humus- und Erdenwirtschaft (VHE) stammt dazu eine ausführliche Dokumentation. Darin wird die kommunal erfasste Menge an Bioabfällen in Bezug zur Einwohnerdichte in Kartenform darstellt (die Informationen zur Bioabfallerfassung stammen von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern). Für jedes Bundesland und die gesamte Bundesrepublik wurden die Daten getrennt für Biogut, Grüngut und die Summe aus Bio- und Grüngut abgebildet.

Das Ergebnis der umfassenden Dokumentation über den Stand der Bioabfallerfassung in Deutschland kann aufschlussreiche Informationen geben, sowohl im bundesweiten Vergleich als auch auf regionaler Ebene. So zeigte sich, dass benachbarte Kommunen unter gleichen Rahmenbedingungen sehr unterschiedliche Erfolge bei der getrennten Erfassung von Bioabfällen zu verzeichnen haben. Ein Vergleich zwischen den Bundesländern lässt erkennen, dass die Getrenntsammlung von verwertbaren Abfällen, wie es bereits im alten Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz als Pflicht verankert war, für Bioabfälle in sehr unterschiedlichem Maße umgesetzt wird.

Eine Studie des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahr 2009 zeigte bereits, dass sich im Hausmüll noch Bioabfälle in einer Größenordnung von rund 4,6 Millionen Tonnen pro Jahr befinden. Nach Schätzung des BMU/UBA könnte bei konsequenter Umsetzung der Vorgaben des neuen Kreislaufgesetzes diese Menge um ungefähr 2 Millionen Tonnen reduziert werden.

Direkter Link zur Studie im Handbuch des VHE

Grün- und Strauchschnittverwertung – Kompostierung ökonomisch und ökologisch sinnvoller als Verbrennung

In Anlehnung an den sogenannten „Bioabfall-Artikel“ (Artikel 22) der EU-Abfallrahmenrichtlinie ruft die ARGE Kompost & Biogas Österreich zu einer bewussteren und nachhaltigeren Verwertung von Bioabfall auf. Aufgrund der gesteigerten Nachfrage nach Biomasse zur thermischen Nutzung, wird verstärkt auf organischen Siedlungsabfall wie Grün- und Strauchschnitt zurückgegriffen. Dies hat Konsequenzen für die Kompostproduktion, da Strukturmaterial wie Strauchschnitt der Kompostierung nur noch in reduziertem Umfang zur Verfügung steht.

Gerade im Hinblick auf die anhaltende Verschlechterung der Qualität europäischer Böden, hervorgerufen durch industrialisierte Landwirtschaft, Monokulturen u.v.m., und einem Bodensanierungsbedarf mit Kosten in Höhe von 38 Milliarden Euro,ist ein ökonomisches und ökologisches Umdenken von großer Bedeutung. Den Anfang macht hierbei die Europäische Union, die im erwähnten Artikel 22 die Mitgliedsstaaten zur getrennten Sammlung von Bioabfall und dessen Verarbeitung zu qualitativ hochwertigem Kompost aufruft. Durch die gezielte Zuführung organischer Masse in unsere Böden, kann die Lebensgrundlage aller Lebewesen nachhaltig  gesichert werden. Ein Boden ohne intakte Bodenflora (Humus) kann keine Pflanzen hervorbringen und daher in diesem Sinne nicht genutzt werden.
Abgesehen von den ökologischen Folgen der thermischen Nutzung von Bioabfall ist diese auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert.
Der hohe Wassergehalt von organischem Abfall reduziert den Heizwert des Rohstoffs auf einen Bruchteil von hochwertigem Waldhackgut. Um eine ähnliche Ausbeute erzielen zu können, sind höhere Biomassemengen zu transportieren, zu lagern und zu verbrennen. Ein weiteres Problem stellt der hohe Aschegehalt dar, der zu einer bis zu 50fachen Menge an Rückständen führen kann, die wiederum hohe Entsorgungskosten verursachen. Abhängig von der chemischen Zusammensetzung (Stichwort: Chlorgehalt) kann es zu Problemen im Kessel führen und letztendlich dessen Nutzungsdauer reduzieren. Auch erhöhte Emissionen, z.B. von Stickstoffoxiden, sind möglich.
Fazit: Das Verfeuern von Grün- und Strauchschnitt ist sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll, da es eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt.

 

Recycling von Bioabfällen und Grüngut nicht vorrangig bewertet

Wie Euwid berichtet, sehen mehrere Experten im neuen Entwurf zum Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz keine hinreichende Umsetzung der Abfallhierarchie und eine massive Einschränkung der Bioabfallverordnung sowie der Klärschlammverordnung bei der Regelung der Anforderungen an organische Dünger.

Der Vorrang des Recyclings vor anderweitigen Verwertungsmöglichkeiten wird ihrer Ansicht nach nicht genügend hervorgehoben. Ferner sehen sie die Regelungskompetenzen der Bioabfallverordnung und der Klärschlammverordnung für organische Dünger durch den § 11 im bisherigen Entwurf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes stark eingeschränkt. So können für die gemeinsame Verwertung von Bioabfällen oder Klärschlämmen mit anderen Abfällen, Stoffen oder Materialien keine Anforderungen festgelegt werden „soweit die ordnungsgemäße und schadlose Verwertung von Bioabfällen und Klärschlämmen durch Regelungen desDüngerechts gewährleistet ist“ (Entwurf). In der Folge würden bestehende abfallrechtliche Kontrollmechanismen aufgegeben oder durch das Bundeslandwirtschaftsministerium übernommen.

Ein weiterer mangelhafter Punkt in dem neuen Entwurf könnte nach Ansicht der Experten im § 7 liegen. In diesem wird die Zumutbarkeit einer Verwertunggegenüber einer Beseitigung erläutert. Danach ist „die wirtschaftliche Zumutbarkeit gegeben, wenn die mit der Verwertung verbundenen Kosten nicht außer Verhältnis zu den Kosten stehen, die für eine Abfallbeseitigung zu tragen wären“ (Entwurf). Es wird befürchtet, dass dieser Paragraph dahingehend ausgelegt werden könnte, dass eine Verwertung, unabhängig von der tatsächlichen Differenz, generell unzumutbar ist, wenn diese mehr Kosten verursacht als eine Beseitigung. Auf den Biomüll bezogen, würde dass eine Erfassung mit dem Restmüll und anschließende Verbrennung bedeuten.

Problematisch könnte es auch werden, wenn mehrere Verwertungsverfahren als gleichrangig eingestuft werden und der Verwerter dadurch ein Wahlrechterhält. Im derzeitigen Entwurf wird die fünfstufige Rangfolge der Abfallhierarchie nicht genügend herausgearbeitet, so dass in der o.g. Situation Widersprüche entstehen könnten.

Mehrere Seiten sind dafür, die genannten Punkte nochmals zu überarbeiten und alle Konflikte in dem Entwurf auszuräumen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Entwurf Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz

 

Ökoeffiziente Verwertung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern

Das bifa Umweltinstitut hat in Zusammenarbeit mit dem LfU eine Studie erarbeitet, in welcher Berechnungen zur Ökoeffizienz verschiedener Verfahren der Bioabfallverwertung durchgeführt wurden. Ziel der Studie ist es, die Bioabfallverwertung zu optimieren.

In die Studie flossen Daten aus der Kompostierung von Bioabfall, der Vergärung zu Biogas und der Mitverbrennung mit Hausmüll ein. Neben den Kosten war der Einfluss verschiedener Verfahrensvarianten ein Bestandteil. Aus den gewonnenen Informationen wurden Analysen zu Treibhauseffekt, Versauerung, Nährstoffanreicherung, Ozonbildung, Humantoxizität und Ökotoxizität der unterschiedlichen Verwertungsweisen durchgeführt und die Rückführung organischer Substanz und vonPhosphat berücksichtigt.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Studie: Ökoeffiziente Verwertung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern (kostenpflichtig)

Abfallbilanz von Hausmüll in Bayern

Im Jahr 2009 konnten aus den Haushalten und Gewerbebetrieben 1,86 Mio. t Bioabfall und Grüngut erfasst werden. Der Hauptteil (1,6 Mio. t) ging in die Kompostierung und Vergärung. Nur kleine Mengen von 0,07 Mio. t wurden energetisch bzw. 0,19 Mio. t direkt in der Landwirtschaft verwertet.

Das kommunale Grüngut macht 83,8 % an der erfassten Menge von 1.134.813 t (91 kg/Einw.) bei entsorgungspflichtigen Körperschaften aus. Der Rest entfällt auf Grüngut mit 16,2 % (14,6 kg/Einw.) auf Haushalte und die Pflege von kommunalen Grünflächen.

Die Grüngutverwertung aus den Haushalten konnte im Vergleich zum Vorjahr um 5 % auf 950.641 t gesteigert werden. Das entspricht einem Erfassungswert pro Kopf von 76,1 kg und ist der höchste Wert seit 1991 und entspricht etwa 14,6 kg pro Einwohner und Jahr. Die Verwertung von holzigen Abfällen hat dabei im Vergleich zu Vorjahr um 58 % auf 43.776 tzugenommen.

Die getrennte Erfassung von Bioabfällen wurde in 80 kreisfreien Städten und Landkreisen durchgeführt. Dabei wurde eine Menge von 637.430 t (51,0 kg/Einw.) Bioabfall ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von 2,9 %. Dieenergetische Verwertung der Bioabfälle ist im Jahr 2009 um 4,1 % auf 26.391 t gestiegen.

Für 2009 konnte eine Kompostierung von 930.147 t Bioabfällen mit Grüngut festgestellt werden. Die in Bayern entstandenen Bioabfälle wurden zum großen Teil auch in Bayern kompostiert. Nur 1,7 % der Abfälle sind nach Baden-Württemberg, Thüringen oder Sachsen in die Verwertung gekommen.

Die Vergärung von Bioabfällen aus Körperschaften hat um 30.000 t zugenommen. Gleichzeitig wurde die verfügbare Kapazität der Biogasanlagen (18 gemeldete Anlagen im Jahr 2009) durch zwei neue Anlagen mit einem Jahresdurchsatz von > 18.000 t erhöht.

Anlagen (Kompostierung und Vergärung) zur Behandlung von Grüngut haben im Jahr 2009 710.070 t (40 % der erfassten Abfälle) Grüngut behandelt. Die Menge hat sich auf 260 Anlagen verteilt. Im Gegensatz zu Bioabfällen wurde das Grüngut ausschließlich in Bayern behandelt.

Eine detaillierte Ausführung der Abfallbilanz erhalten Sie in der Publikation „Hausmüll in Bayern – Bilanzen 2009“.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Publikation: Hausmüll in Bayern – Bilanzen 2009
Karte Kompostier- und Vergärungsanlagen für Verarbeitung von Bioabfall (auch mit Grüngut)
Bayernkarte zur Bioabfallerfassung
Kompostier- und Vergärungsanlagen für Grüngut 2009
Kompostier- und Vergärungsanlagen für Bioabfälle 2009
Kompostieranlagen für Bioabfälle in Bayern 2009

Verwertung von Grüngutabfällen

Die holzigen Anteile von Garten-, Park- und Landschaftspfegeabfällen werden neben der Kompostierung und Vergärung, auch als Brennmaterial eingesetzt. Dafür werden ca. 25 % des holzigen Anteils aus dem Gesamtabfall abgesiebt. Der restliche Feinanteil bleibt zurück und muss anderweitig verwertet werden. Dieser wird als Bioabfall eingestuft. Bei einer landwirtschaftlichen Verwertung des Grüngutsabfalls gelten daher weiterhin die Vorgaben der Bioabfallverordnung. Somit ist eine Pflicht zur Behandlung vorgeschrieben, durch die eine hygienische Unbedenklichkeit gewährleistet wird. Ferner müssen auch Untersuchungen bezüglich Inhaltsstoffen und der Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte vorgenommen werden. Wie bei anderen biologischen Abfällen müssen Nachweise erbracht und das Lieferscheinverfahren beachtet werden. Ferner gelten bei einer Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen die Düngemittelverordnung und die Düngeverordnung. Daher ist eine düngemittelrechtliche Kennzeichnung und somit eine Untersuchung unumgänglich. Nach den enthaltenen Nährstoffen, dem Nährstoffgehalt im Boden und den Nährstoffbedarf der Pflanzen ist eine Aufwandmenge zu berechnen und eine Empfehlung auszusprechen.

Durch die Befreiung von Untersuchungs- und Behandlungspflichten für Garten- und Parkabfälle bei einem Verbleib am Ursprungsort, fand eine großzügige Auslegung der Regelung statt, wodurch die Abfälle auch auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wurden. Dabei werden die oben genannten materiellen Anforderungen an die Hygiene und die Grenzwerte der BioAbfV und die Pflichten für u.a. Aufzeichnungen und Mitteilungen öfters vergessen. In der Novelleder Bioabfallverordnung ist eine grundsätzliche Ausnahmeregelung dieser Art nicht mehr vorgesehen. Es wird nur noch mit Zustimmung der jeweiligen Behörde in Einzelfällen über Ausnahmen entschieden.