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Kann Gemüse trotz EHEC weiterhin problemlos kompostiert werden?

Seit einiger Zeit ist mit EHEC verseuchtes Gemüse in Deutschland nachgewiesen. Daher stellen sich bei vielen Kompostierern berechtigte Fragen. Kann eine Kompostierung von Gemüse wie bisher erfolgen? Muss ich Vorkehrungen treffen, wenn ich mit EHEC kontaminiertes Material kompostiere? Ist eine Kompostierung von mit EHEC infiziertem Gemüse überhaupt möglich? Sollte ich auf die Annahme von Gemüse in der nächsten Zeit verzichten?

Laut dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist eine hygienisch unbedenkliche Entsorgung in einer Müllverbrennungsanlage, einer gewerblichen Kompostieranlage oder Vergärungsanlage notwendig. Der Gemüseabfall muss über einen bestimmten Zeitraum erhitzt werden, so dass die Keime unschädlich gemacht werden. Für Einzelheiten über die Vorgehensweise und das anzuwendende Verfahren verweist das Bundesministerium auf die Vorgaben der BioAbfV.

 

Auszug aus der BioAbfV:§ 3 Anforderungen an die Behandlung

  1. Entsorgungsträger, Erzeuger und Besitzer haben Bioabfälle vor einer Aufbringung oder der Herstellung von Gemischen einer Behandlung zuzuführen, welche die seuchen- und phytohygienische Unbedenklichkeit gewährleistet. Satz 1 gilt auch für Speiseabfälle aus Gaststätten und Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung, soweit diese Abfälle nicht nach den Bestimmungen des Tierkörperbeseitigungsgesetzes beseitigt werden müssen.
  2. Die seuchen- und phytohygienische Unbedenklichkeit nach Absatz 1 ist gegeben, wenn keine Beeinträchtigung der Gesundheit von Mensch oder Tier durch Freisetzung oder Übertragung von Krankheitserregern und keine Schäden an Pflanzen, Pflanzenerzeugnissen oder Böden durch die Verbreitung von Schadorganismen zu besorgen sind. Die im einzelnen einzuhaltenden Anforderungen an die Behandlung und die Materialien sind im Anhang 2 festgelegt.
  3. Der Bioabfallbehandler hat die Behandlung der Bioabfälle nach den in Anhang 2 festgelegten Vorgaben so durchzuführen, dass die seuchen- und phytohygienische Unbedenklichkeit der Bioabfälle nach der Behandlung und bei der Abgabe oder der Aufbringung auf betriebseigene Böden sichergestellt ist. Die zuständige Behörde kann im Einvernehmen mit der zuständigen landwirtschaftlichen und tierärztlichen Fachbehörde bei aerober, anaerober Behandlung oder anderweitiger Hygienisierung von Bioabfällen Ausnahmen von den in Anhang 2 enthaltenen Anforderungen zulassen, sofern nach Beschaffenheit und Herkunft der Bioabfälle eine Beeinträchtigung seuchen- und phytohygienischer Belange nicht zu erwarten ist.

Anhang 2 Seuchen- und phytohygienische Unbedenklichkeit

2.1 Anforderungen an die Prozessführung
Die Prozesssteuerung in Kompostierungsanlagen muss so erfolgen, dass über einen Zeitraum von mehreren Wochen ein thermophiler Temperaturbereich und eine hohe biologische Aktivität bei günstigen Feuchte- und Nährstoffverhältnissen sowie eine optimale Struktur und Luftführung gewährleistet sind. Der Wassergehalt soll mindestens 40% betragen und der pH-Wert um 7 liegen. Im Kompostierungs-verfahren muss im Verlauf der Kompostierung eine Temperatur von mindestens 55 Grad C über einen möglichst zusammenhängenden Zeitraum von 2 Wochen oder von 65 Grad C (bei geschlossenen Anlagen 60 Grad C) über 1 Woche im gesamten Mischgut einwirken.
In Vergärungsanlagen muss die Abfallmatrix so behandelt werden, dass eine Mindesttemperatur von 55 Grad C über einen zusammenhängenden Zeitraum von 24 Stunden sowie eine hydraulische Verweilzeit im Reaktor von mindestens 20 Tagen erreicht wird. Bei niedrigeren Betriebstemperaturen oder kürzerer Einwirkungszeit muss entweder eine thermische Vorbehandlung der Inputmaterialien (70 Grad C; 1 Stunde) oder eine entsprechende Nachbehandlung der Produkte (Erhitzung auf 70 Grad C; 1 Stunde) bzw. eine aerobe Nachrotte der separierten Gärrückstände (Kompostierung) durchgeführt werden; Wirtschaftsdünger in landwirtschaftlichen Kofermentationsanlagen (einzelbetriebliche und Gemeinschaftsanlagen) bleiben davon unberührt, soweit Bestimmungen des Tierseuchenrechts dem nicht entgegenstehen. Noch nicht hygienisierte Inputmaterialien sind so aufzubewahren, dass sie nicht mit bereits erhitzten, kompostierten oder vergorenen Materialien in Berührung kommen können.

2.2.2 Indirekte Prozessprüfung
In biologischen Abfallbehandlungsanlagen müssen Temperaturmessungen in regelmäßigen Abständen vorgenommen werden. Diese sollten möglichst kontinuierlich erfolgen. Sie müssen mindestens einmal je Arbeitstag durchgeführt und sollten automatisch aufgezeichnet werden. Die Temperatur-messungen sollen an mindestens drei repräsentativen Zonen in den für die thermische Inaktivierung relevanten Prozessabschnitten bzw. Anlageteilen vorgenommen werden. Die prüffähigen Aufzeichnungen des Temperaturverlaufs, der Umsetzungszeitpunkte (Kompostierung) und der Beschickungsintervalle (Anaerobbehandlung) müssen mindestens 5 Jahre aufbewahrt und Überwachungsbehörden auf Anfrage vorgelegt werden.

 

Auch Herr Dr. med. vet. Werner Phillipp von der Universität Hohenheim hält eine gewerbliche Kompostierung oder Vergärung für ungefährlich. Obgleich der Erreger verschiedene Resistenzen gegen Antibiotika aufweist, ist davon auszugehen, dass dieser Erreger im Hinblick auf die Umweltresistenz ähnlich widerstandsfähig wie andere Colibakterien ist. Folglich seien bei Einhaltung der Vorgaben der BioAbfV für die gewerbliche Kompostierung bzw. Vergärung der Kompost bzw. das Gärprodukt unbedenklich.
Laut Herrn Dr. Phillipp sind die nach der BioAbfV vorgeschriebenen Temperaturen während der gewerblichen Kompostierung von mindesten 55 °C über zwei Wochen und in Biogasanlagen von mindestens 70 °C über eine Stunde aufrechtzuerhalten, damit der Erreger inaktiviert wird.

Bitte weisen Sie Ihre Kunden darauf hin, dass eine Eigenkompostierung auf Grund der nur geringen Temperaturen (max. 38 °C) aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt werden sollte.

Der Güteobmann der FBK empfiehlt Ihnen darauf zu achten, dass Ihre Sonden richtig gesteckt sind und eine lückenlose Aufzeichnung erfolgt. Auf diese Weise können Sie nachweisen, dass eine Hygienisierung stattfindet und die Keime inaktiviert werden. Achten Sie kontinuierlich auf die Temperaturen. Dadurch können Sie bei einer mangelhaften Rotte sofort reagieren und einer negativen Entwicklung schnellst-möglich entgegenwirken. Ferner sind Sie in der Lage einen Nachweis über das Erreichen der notwendigen Temperaturen vorzulegen.

 

Wir werden Sie über dieEntwicklung zu dem Thema Kompostierung von Gemüse / EHEC auf dem Laufenden halten.

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