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Mogelpackung Bioplastik – ökologisch und kompostierbar?!

Bioplastik_neuNachdem die Plastiktüte, gerechtfertigter Weise, in Verruf geraten ist, versuchen Supermärkte eine Alternative anzubieten. Die Bio-Plastiktüte ist in immer mehr Einkaufsläden zu finden. Es wird damit geworben, dass diese abbaubar bzw. sogar kompostierbar sei. Zur Diskussion steht auch, Bio-Plastiktüten für die Bioabfallsammlung einzusetzen, da sie bei der Kompostierung von Bioabfällen mitkompostiert werden können und nicht mehr aussortiert werden müssen.
Doch die Praxis zeigt, dass dieses System bei Weitem nicht das hält, was es verspricht.

Die Welt hat ein Problem. Plastikmüll verschmutzt die Meere und gelangt immer mehr in die Nahrungskette. Auf Grund dieser Tatsache ist die Plastiktüte gerechtfertigter Weise in Verruf geraten. Laut Statistik nutzt jeder Deutsche im Durchschnitt 71 Plastiktüten pro Jahr, wobei jede Tüte im Schnitt nur 25 Minuten lang Verwendung findet. Im europäischen Durchschnitt sind es 198 Tüten pro Kopf und Jahr. Ein riesiges Problem, wenn man bedenkt, das im Nordpazifik bereits eine Plastikmüllinsel von der Größe Mitteleuropas schwimmt.

Doch anstatt auf Plastiktüten einfach zu verzichten gibt es heutzutage in manchen Supermärkten die sogenannten „Bio-Plastiktüten“.

Diese bestehen meist aus thermoplastischer Stärke, welches aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt wird. Es wird damit geworben, dass diese „Bio“- Tüten verrotten und sogar kompostierbar seien. Was allerdings nur bedingt richtig ist. Die Kompostierung von solchen Tüten funktioniert nämlich nur bei 60 °C und 95 % Luftfeuchtigkeit über einen Zeitraum von 12 Wochen. Da diese Zeitspanne für moderne Kompostieranlagen deutlich zu lang ist, werden die Tüten dort wiederum aussortiert und verbrannt, da kein Endverbraucher Reste von Plastik (Bio oder nicht) in seinem Kompost haben will.
Im Hinblick auf die Herstellung der traditionellen Plastiktüten aus Erdöl und die mit der Erdölförderung entstehenden Umweltprobleme ist eine Abkehr von den traditionellen Plastiktüten für manchen immer noch verlockend.

Die Ökobilanz der Bio-Tüten sieht aber leider auch nicht besser aus.

Um die, für die Herstellung von Bioplastik, benötigten Pflanzen zu produzieren, müssen immense Flächen bewirtschaftet werden. Eventuelle Waldrodungen, um Ackerflächen zu erschaffen, sind dabei schon vorprogrammiert, wenn Unternehmer erst einmal das große Geschäft wittern. Zudem werden für die Herstellung von Bioplastik voraussichtlich Unmengen an genmanipulierten Pflanzen verwendet werden. Die daraus entstehenden Probleme können wissenschaftlich noch gar nicht abgeschätzt werden.

Nach Meinung der Deutschen Umwelthilfe ist die Ökobilanz der Biotüten sogar schlechter als die der normalen Plastiktüte.
Dementsprechend hilft nur, den Gebrauch von Plastiktüten deutlich zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.

Die Idee, Bioabfälle in Bio-Plastiktüten zu sammeln und alles zusammen (also Biomüll und Bio-Plastik) zu kompostieren, kann aus den oben genannten Gründen auch nicht funktionieren. Die kommende Verschärfung der DümV, die einen Maximalwert von 0,1 % für alle nicht abgebauten Kunststoffe in Bioabfällen vorsieht, zeigt klar, dass die Kompostierung von Bioplastik auch gesetzlich zu Problemen führt. Wenn das Bioplastik in den kurzen Rottezeiten der Kompostieranlagen nicht abgebaut wird, werden Grenzwerte überschritten.
Die FBK e.V. spricht sich gegen die Sammlung von Bioabfällen in Bioplastiktüten und deren gemeinsame Kompostierung aus.

Bundeslandwirtschaftsministerium kündigt Änderungen der DüMV an

Die aktuell geltende Fassung der DüMV soll in einigen Punkten geändert werden. Speziell in Bezug auf Kunststoffe wird es zu Anpassungen kommen.Eine wichtige Änderung wird der neue Grenzwert für den Gewichtsanteil an nicht abgebauten Kunststoffen.

Der momentane Grenzwert für Fremdstoffe über 2 mm Siebdurchgang liegt bei 0,5 Gew.-% in der Trockenmasse.
Die Änderung der DüMV sieht einen separaten Grenzwert für nicht abgebaute Kunststoffe vor, der 0,1 Gew.-% betragen soll. Darunter sollen alle Kunststoffe fallen, auch die eventuellen Reststoffe von kompostierbaren Bioplastiktüten.
Für alle weiteren Fremdstoffe wie Papier, Glas und Metall soll ein Summengrenzwert von 0,4 Gew.-% eingeführt werden.

Diese Änderungen sind nachvollziehbar, wenn man bedenkt, welcher optische Anteil 0,5 Gew.-% Plastikfolie ausmachen kann.
Es bleibt zu bedenken, dass eventuell enthaltenes Hartplastik auch unter den 0,1 Gew.-% Grenzwert fallen würde und auf Grund des höheren Gewichts von Hartplastik eine Grenzwertüberschreitung eintreten könnte.
Welche Änderungen noch geplant sind können Sie im vorläufigen Entwurf der DüMV nachlesen.
Den Link dazu finden sie hier: Entwurf der DüMV

Verpflichtende Umsetzung der getrennten Bioabfallerfassung

Rüdiger Oetjen-Dehne von Oetjen-Dehne & Partner in Berlin stellte in seinem Vortrag einige ausgewählte Untersuchungsergebnisse eines vor dem Abschluss stehenden Projekts (Umweltforschungsplan) bzgl. der verpflichtenden Umsetzung der Getrenntsammlung von Bioabfall dar.

Seit den Anfängen vor über 30 Jahren ist die getrennte Erfassung von organischen Abfällen privater Haushalte ein weit verbreiteter Bestandteil der deutschen Abfallwirtschaft. Dennoch ist die getrennte Erfassung von Küchenabfällen mittels Biotonne/Biosack bislang nicht in jedem Entsorgungsgebiet Deutschlands eingeführt worden, zudem wird sie in vielen Entsorgungsgebieten nur mit geringer Intensität praktiziert.

Die Abfallrahmenrichtlinie der EU und das zur Umsetzung in nationales Recht erlassene Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) verpflichtet alle Entsorgungsträger, überlassungspflichtige Bioabfälle aus Haushalten spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln (§ 11 Abs. 1 KrWG).

In Deutschland werden bislang rund 7,3 Mio Tonnen des bei privaten Haushalten entstehenden Bioabfallpotenzials getrennten erfasst und verwertet, während 4,8 Mio Tonnen noch als Restabfall entsorgt werden. Ausgewählte Untersuchungsergebnisse eines vor dem Abschluss stehenden Projektes zeigen, dass das Potenzial noch deutlich intensiver genutzt werden kann.

Obwohl das Kreislaufwirtschaftsgesetz zur flächendeckenden Getrennterfassung zum Stichtag 01.01.2015 verpflichtet, wollen zwischen 57 und 69 entsorgungspflichtige Körperschaften ihren Kunden weiterhin keine getrennte Erfassung anbieten. Viele Vorbehalte, wie eine bereits vollständige Eigenverwertung, eine geringe Einwohnerdichte, geringe ökologische Vorteile oder eine mangelnde wirtschaftliche Zumutbarkeit halten einer Prüfung allerdings nicht Stand. Insofern wäre es wünschenswert, wenn die knappen Ressourcen der betreffenden Entsorgungsträger dazu genutzt würden, die sich bietenden Chancen auch im Interesse der Kunden zu nutzen. Vorgaben zur Gestaltung der flächendeckenden Bioabfallerfassung und zu hochwertigen Verwertung können unterstützend wirken.

Wenn die im Kreislaufwirtschaftsgesetz formulierte Zielsetzung einer hochwertigen Verwertung von Bioabfällen insbesondere durch die Kaskadennutzung nicht nur eine Idee bleiben soll, kann an einer Getrennterfassung mittels Biotonne kein Weg vorbeiführen. Das schließt nicht aus, die Ausgestaltung der Erfassungsstruktur und die Gewichtung zwischen getrennter Biogut- und Grünguterfassung den lokalen Gegebenheiten anzupassen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass die Vorgabe des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zur Einführung einer getrennten Bioabfallerfassung bis zum 01.01.2015 nicht bzw. nicht rechtzeitig von allen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern umgesetzt wird. Selbst Vertreter von Landesbehörden scheinen derzeit nicht die Hoffnung zu haben, dass alle weißen Flecken auf den Karten verschwinden werden. Ob die von den betreffenden öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern vorgetragenen Argumente gegen die Einführung einer Biotonne stichhaltig und rechtlich relevant sind, müssen entsprechende Prüfungen zeigen.

Unabhängig davon ist erstaunlich, dass offenbar eine erhebliche Anzahl kommunaler Entsorgungsträger die sich mit der Biotonne bietenden Chancen nicht erkennen und die steigende Nachfrage ihrer Kunden nach komfortablen Verwertungsangeboten für Biogut nicht bedienen wollen. Bleibt zu hoffen, dass im Zuge der derzeitig laufenden Diskussion bei den betroffenen Entsorgungsträgern ein Umdenken einsetzt.

Quelle: Fachtagungsband des 26. Kasseler Abfall- und Bioenergieforums 2014:
Wiemer K., Kern M., Raussen T.: Bio- und Sekundärrohstoffverwertung IX, stofflich – energetisch, Witzenhausen-Insitut für Abfrall, Umwelt und Energie GmbH, S. 121 - 138

Bioabfallerfassung nach KrWG ab 01.01.2015 – Was, wie und wann nicht?

Wolfgang Siederer von Gaßner, Groth, Siederer & Coll in Berlin sprach über die Verwertung von Bioabfällen im Rahmen einer Getrenntsammlung.

Nach § 11 Abs. 1 KrWG sind überlassungspflichtige Bioabfälle spätestens ab dem 01.01.2015 getrennt zu sammeln. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass eine hochwertige Verwertung von Bioabfällen regelmäßig nur durch eine getrennte Erfassung gewährleistet werden kann. Zwar steht die Verpflichtung zur Getrenntsammlung unter Erforderlichkeitsvorbehalt, der Vorrang der stofflichen Verwertung und das Gebot einer möglichst hochwertigen Verwertung machen eine Getrenntsammlung aber regelmäßig erforderlich. Hohe Hürden bestehen insbesondere für einen Verzicht der Getrenntsammlung aufgrund wirtschaftlicher Unzumutbarkeit.

Das Gesetz nimmt die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger in die Pflicht, ab spätestens 2015 Bioabfälle getrennt zu sammeln. Hiermit geht die Erkenntnis einher, dass die angestrebte hochwertige Verwertung von Bioabfällen regelmäßig nur durch eine getrennte Erfassung im Unterschied zu einer gemeinsamen Erfassung mit dem Restabfall gewährleistet werden kann.

Obwohl der Gesetzgeber die Einführung einer getrennten Sammlung von Bioabfällen unter den Vorbehalt der Erforderlichkeit gestellt hat, werden diese ausdrücklichen oder impliziten Ausnahmen angesichts der grundsätzlichen gesetzlichen Entscheidung für eine Getrenntsammlung nur in wenigen Ausnahmefällen einschlägig sein. In aller Regel sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger daher gehalten, eine Bioabfallerfassung einzuführen oder zu intensivieren. Hohe Hürden bestehen insbesondere für einen Verzicht der Getrenntsammlung aufgrund wirtschaftlicher Unzumutbarkeit.

Trotz der bestehenden gesetzlichen Vorgaben im KrWG ist bislang nicht sichergestellt, dass eine wesentliche Ausweitung der Getrenntsammlung von Bioabfällen auch erreicht wird. Zudem sehen viele Entsorgungskonzepte die günstige Art der Verwertung von getrennt erfassten Bioabfällen in einfachen Kompostanlagen mit offener Mietenkompostierung vor. Hier ist der Verordnungsgeber aufgerufen, zum einen die Getrenntsammlungspflicht durchzusetzen, vor allem aber eine möglichst hochwertige Verwertung sicherzustellen. Nach der Verordnungsermächtigung des § 8 Abs. 2 KrWG kann der Vorrang oder Gleichrang bestimmter Verwertungsmaßnahmen bestimmt werden und können Anforderungen an die Hochwertigkeit der Verwertung festgelegt werden.

Quelle: Fachtagungsband des 26. Kasseler Abfall- und Bioenergieforums 2014:
Wiemer K., Kern M., Raussen T.: Bio- und Sekundärrohstoffverwertung IX, stofflich – energetisch, Witzenhausen-Insitut für Abfrall, Umwelt und Energie GmbH, S. 111 - 119

Bio- und Grünguterfassung in Deutschland

biotonne_130Die Getrenntsammlung von verwertbaren Abfällen war schon im alten Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) verankert. Im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), das am 01.06.2012 in Kraft trat, wird die getrennte Sammlung von Bioabfällen ab dem 01.01.2015 verpflichtend vorgeschrieben.

Vom Verband der Humus- und Erdenwirtschaft (VHE) stammt dazu eine ausführliche Dokumentation. Darin wird die kommunal erfasste Menge an Bioabfällen in Bezug zur Einwohnerdichte in Kartenform darstellt (die Informationen zur Bioabfallerfassung stammen von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern). Für jedes Bundesland und die gesamte Bundesrepublik wurden die Daten getrennt für Biogut, Grüngut und die Summe aus Bio- und Grüngut abgebildet.

Das Ergebnis der umfassenden Dokumentation über den Stand der Bioabfallerfassung in Deutschland kann aufschlussreiche Informationen geben, sowohl im bundesweiten Vergleich als auch auf regionaler Ebene. So zeigte sich, dass benachbarte Kommunen unter gleichen Rahmenbedingungen sehr unterschiedliche Erfolge bei der getrennten Erfassung von Bioabfällen zu verzeichnen haben. Ein Vergleich zwischen den Bundesländern lässt erkennen, dass die Getrenntsammlung von verwertbaren Abfällen, wie es bereits im alten Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz als Pflicht verankert war, für Bioabfälle in sehr unterschiedlichem Maße umgesetzt wird.

Eine Studie des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahr 2009 zeigte bereits, dass sich im Hausmüll noch Bioabfälle in einer Größenordnung von rund 4,6 Millionen Tonnen pro Jahr befinden. Nach Schätzung des BMU/UBA könnte bei konsequenter Umsetzung der Vorgaben des neuen Kreislaufgesetzes diese Menge um ungefähr 2 Millionen Tonnen reduziert werden.

Direkter Link zur Studie im Handbuch des VHE

Der Kompost macht’s

Bioabfall aus Haushalt, Industrie, Handel und Gewerbe enthält wertvolle Nährstoffe und organische Substanzen, die nach geregelter Kompostierung oder Vergärung erneut als Dünger und Humus unbedenklich für Pflanzen und Böden eingesetzt werden können.

Der Anteil an organischem Material im Hausmüll wird auf 35 – 40 % geschätzt, was ein Gewicht von 100 kg pro Kopf in einem einzigen Jahr bedeutet. Daraus ergibt sich ein Potential von 12 – 15 Mio. Tonnen Bio- und Grünabfall jährlich – und das lediglich in Deutschland.

Europaweit rechnet man mit 100 – 150 Mio. Tonnen, Tendenz steigend. Diese gewaltigen Mengen könnten zu ca. 50 Millionen Tonnen Kompost verarbeitet werden und besonders in südlichen Gebieten mit salzigen Böden zu einer verbesserten Bewirtschaftung beitragen, um nur ein positives Beispiel zu nennen.

Durchaus erweist sich Kompost im Garten-und Landschaftsbau sowie im Hobbygarten als idealer Begleiter aufgrund seiner vielen positiven Auswirkung auf die Bodenstruktur, den Wasserhaushalt sowie die Bodenmikrobiologie und ist die beste Alternative oder Ergänzung zum teuren Mineraldünger, der die Gefahr einer schnellen Überdüngung mit sich bringt. Laut einer Bremer Studie wirkt sich regelmäßiges Düngen alleine mit Komposterde ertragssteigernd bei minimaler Arbeit und Kosten aus.

Quelle: Abschlussbericht 2008 zum Projekt Kompost-Anwendungsversuche Baden-Württemberg.

 

Grün- und Strauchschnittverwertung – Kompostierung ökonomisch und ökologisch sinnvoller als Verbrennung

In Anlehnung an den sogenannten „Bioabfall-Artikel“ (Artikel 22) der EU-Abfallrahmenrichtlinie ruft die ARGE Kompost & Biogas Österreich zu einer bewussteren und nachhaltigeren Verwertung von Bioabfall auf. Aufgrund der gesteigerten Nachfrage nach Biomasse zur thermischen Nutzung, wird verstärkt auf organischen Siedlungsabfall wie Grün- und Strauchschnitt zurückgegriffen. Dies hat Konsequenzen für die Kompostproduktion, da Strukturmaterial wie Strauchschnitt der Kompostierung nur noch in reduziertem Umfang zur Verfügung steht.

Gerade im Hinblick auf die anhaltende Verschlechterung der Qualität europäischer Böden, hervorgerufen durch industrialisierte Landwirtschaft, Monokulturen u.v.m., und einem Bodensanierungsbedarf mit Kosten in Höhe von 38 Milliarden Euro,ist ein ökonomisches und ökologisches Umdenken von großer Bedeutung. Den Anfang macht hierbei die Europäische Union, die im erwähnten Artikel 22 die Mitgliedsstaaten zur getrennten Sammlung von Bioabfall und dessen Verarbeitung zu qualitativ hochwertigem Kompost aufruft. Durch die gezielte Zuführung organischer Masse in unsere Böden, kann die Lebensgrundlage aller Lebewesen nachhaltig  gesichert werden. Ein Boden ohne intakte Bodenflora (Humus) kann keine Pflanzen hervorbringen und daher in diesem Sinne nicht genutzt werden.
Abgesehen von den ökologischen Folgen der thermischen Nutzung von Bioabfall ist diese auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert.
Der hohe Wassergehalt von organischem Abfall reduziert den Heizwert des Rohstoffs auf einen Bruchteil von hochwertigem Waldhackgut. Um eine ähnliche Ausbeute erzielen zu können, sind höhere Biomassemengen zu transportieren, zu lagern und zu verbrennen. Ein weiteres Problem stellt der hohe Aschegehalt dar, der zu einer bis zu 50fachen Menge an Rückständen führen kann, die wiederum hohe Entsorgungskosten verursachen. Abhängig von der chemischen Zusammensetzung (Stichwort: Chlorgehalt) kann es zu Problemen im Kessel führen und letztendlich dessen Nutzungsdauer reduzieren. Auch erhöhte Emissionen, z.B. von Stickstoffoxiden, sind möglich.
Fazit: Das Verfeuern von Grün- und Strauchschnitt ist sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll, da es eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt.

 

Recycling von Bioabfällen und Grüngut nicht vorrangig bewertet

Wie Euwid berichtet, sehen mehrere Experten im neuen Entwurf zum Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz keine hinreichende Umsetzung der Abfallhierarchie und eine massive Einschränkung der Bioabfallverordnung sowie der Klärschlammverordnung bei der Regelung der Anforderungen an organische Dünger.

Der Vorrang des Recyclings vor anderweitigen Verwertungsmöglichkeiten wird ihrer Ansicht nach nicht genügend hervorgehoben. Ferner sehen sie die Regelungskompetenzen der Bioabfallverordnung und der Klärschlammverordnung für organische Dünger durch den § 11 im bisherigen Entwurf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes stark eingeschränkt. So können für die gemeinsame Verwertung von Bioabfällen oder Klärschlämmen mit anderen Abfällen, Stoffen oder Materialien keine Anforderungen festgelegt werden „soweit die ordnungsgemäße und schadlose Verwertung von Bioabfällen und Klärschlämmen durch Regelungen desDüngerechts gewährleistet ist“ (Entwurf). In der Folge würden bestehende abfallrechtliche Kontrollmechanismen aufgegeben oder durch das Bundeslandwirtschaftsministerium übernommen.

Ein weiterer mangelhafter Punkt in dem neuen Entwurf könnte nach Ansicht der Experten im § 7 liegen. In diesem wird die Zumutbarkeit einer Verwertunggegenüber einer Beseitigung erläutert. Danach ist „die wirtschaftliche Zumutbarkeit gegeben, wenn die mit der Verwertung verbundenen Kosten nicht außer Verhältnis zu den Kosten stehen, die für eine Abfallbeseitigung zu tragen wären“ (Entwurf). Es wird befürchtet, dass dieser Paragraph dahingehend ausgelegt werden könnte, dass eine Verwertung, unabhängig von der tatsächlichen Differenz, generell unzumutbar ist, wenn diese mehr Kosten verursacht als eine Beseitigung. Auf den Biomüll bezogen, würde dass eine Erfassung mit dem Restmüll und anschließende Verbrennung bedeuten.

Problematisch könnte es auch werden, wenn mehrere Verwertungsverfahren als gleichrangig eingestuft werden und der Verwerter dadurch ein Wahlrechterhält. Im derzeitigen Entwurf wird die fünfstufige Rangfolge der Abfallhierarchie nicht genügend herausgearbeitet, so dass in der o.g. Situation Widersprüche entstehen könnten.

Mehrere Seiten sind dafür, die genannten Punkte nochmals zu überarbeiten und alle Konflikte in dem Entwurf auszuräumen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Entwurf Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz

 

Vorerst keine EU-einheitlichen Ziele für das Recyceln von Bioabfällen

Die EU Kommission hat die Entscheidung über Ziele, die das Recyceln von Bioabfällen in der EU einheitlich regulieren sollen, auf 2014 verschoben. Laut dem Europäischen Kompostnetzwerk ist die laufende Befragung sowie die Bestrebungen zur Entwicklung dieser Ziele ausgesetzt.

Als Begründung wird die bisherige Vermischung der Begriffe Recycling und Rückgewinnung in den vorliegenden Statistiken genannt. Dadurch wird die Erstellung einer Methode zur Überwachung der Recyclingziele und der Einhaltung der Recyclingquote von 50 Gewichts-% nach Art. 11(2) der „Richtlinie 2008/98/EG über Abfälle“ erschwert. Nach Ansicht der Kommission könnten jetzt erarbeitete Ziele die für 2014 geplante Überarbeitung der Richtlinie beeinträchtigen. Dennoch wurde die Notwendigkeit dieser Ziele in einem kürzlich durchgeführten Workshop auch von bisher wenig überzeugten Teilnehmern bestätigt. ImWorkshop konnten sich die Teilnehmer darauf einigen, dass eine Recyclingquote von 30 – 40 % mit einer schrittweisen Steigerung auf 50 % erreicht werden sollte.

Die Richtlinie 2008/98/EG für Abfälle legt Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit fest, indem die schädlichen Auswirkungen der Erzeugung und Bewirtschaftung von Abfällen vermieden oder verringert, die Gesamtauswirkungen der Ressourcennutzung reduziert und die Effizienz der Ressourcennutzung verbessert werden. Als Bioabfälle gelten nach der Richtlinie biologisch abbaubare Garten- und Parkabfälle, Nahrungs- und Küchenabfälle aus Haushalten, aus dem Gaststätten- und Cateringgewerbe und aus dem Einzelhandel sowie vergleichbare Abfälle aus Nahrungsmittelverarbeitungsbetrieben.

Bioabfälle sind im Sinne der Richtlinie getrennt zu sammeln, um sie zu kompostieren und vergären zu lassen. Dabei ist u.a. durch die Verwendung von umweltverträglichen Materialien ein hohes Maß an Umweltschutz zu gewährleisten. Indem die Bewirtschaftung von Bioabfällen bewertet wird, wird durch die Kommission festgestellt, ob Mindestanforderungen für die Bewirtschaftung von Bioabfällen und Qualitätskriterien für Kompost und Gärrückstände aus Bioabfällen festgelegt werden sollten. Zum Recyceln der Bioabfälle kann jedes Verwertungsverfahren angewendet werden, durch das Abfallmaterialien aufbereitet werden. Es schließt aber nicht die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind, ein. Nach dem Recyceln werden Bioabfälle nicht mehr als Abfall definiert (Ende der Abfalleigenschaft). Nach der Richtlinie wird bis 2020 die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling von Abfallmaterialien aus Haushalten und gegebenenfalls aus anderen Quellen auf mindestens 50 Gewichtsprozent insgesamt erhöht.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Richtlinie 2008/98/EG über Abfälle

Ökoeffiziente Verwertung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern

Das bifa Umweltinstitut hat in Zusammenarbeit mit dem LfU eine Studie erarbeitet, in welcher Berechnungen zur Ökoeffizienz verschiedener Verfahren der Bioabfallverwertung durchgeführt wurden. Ziel der Studie ist es, die Bioabfallverwertung zu optimieren.

In die Studie flossen Daten aus der Kompostierung von Bioabfall, der Vergärung zu Biogas und der Mitverbrennung mit Hausmüll ein. Neben den Kosten war der Einfluss verschiedener Verfahrensvarianten ein Bestandteil. Aus den gewonnenen Informationen wurden Analysen zu Treibhauseffekt, Versauerung, Nährstoffanreicherung, Ozonbildung, Humantoxizität und Ökotoxizität der unterschiedlichen Verwertungsweisen durchgeführt und die Rückführung organischer Substanz und vonPhosphat berücksichtigt.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Studie: Ökoeffiziente Verwertung von Bioabfällen und Grüngut in Bayern (kostenpflichtig)