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Hamburger Stadtreinigung baut Trockenfermentationsanlage

Die Hamburger Stadtreinigung baut laut dem Magazin Entsorga eine Trockenfermentationsanlage, die der bereits bestehenden Kompostierungsanlage vorgeschaltet werden soll. Bei Fertigstellung ist eine jährliche Durchlaufmenge von ca.70.000 Tonnen möglich.

Die Stadtreinigung plant das erzeugte Biogas aufzubereiten und als Biomethan in eine benachbarte Erdgasleitungeinzuspeisen. Durch die neue Fermentationsanlage kann die Stadtreinigung laut ihrem Sprecher Herrn Reinhard Fiedler aus dem Betrieb einer Müllverbrennungsanlage aussteigen. Doch ob die Fermentationsanlage mit dem Erlös der Einspeisung des Biomethans in die Erdgasleitung wirtschaftlich betrieben werden kann, ist nach Einschätzung Fiedlers durch die Kosten der Getrenntsammlung zweifelhaft.

Die Kompostieranlage weist momentan einen jährlichen Input von 30.000 Tonnen Grünschnitt und Bioabfällen auf, die zu 10.000 Tonnen Kompost verarbeitet werden. Es wird jedoch zur Zeit nur ein geringer Teil der möglichen Bioabfälle aus den Haushalten in einer getrennten Sammlung erfasst und der Kompostieranlage zugeführt. Nach Schätzungen der Stadtreinigung wird der Output der Kompostieranlage aber auf 30.000 Tonnen steigen, sofern alle Bioabfälle der Hamburger Haushalte in die Biotonne gegeben und über die Trockenfermentationsanlage in die Kompostierung gelangen.

Die vorgeschaltete Vergärung darf dabei jedoch nicht auf Kosten der stofflichen Verwertung erfolgen. Ähnliches gilt für die thermische Verwertung von Holz. Wenn zu viel Strukturmaterial der Kompostierung entnommen wird, kann keine qualitätsorientierte Kompostierung stattfinden. Dass die Kombination aus Vergärung und Kompostierung funktioniert, zeigen mehrere Betriebe in Norddeutschland, die sich in dem Verband der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord (VHE-Nord) zusammengeschlossen haben.

In einer Studie führte das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg Berechnungen zur Leistungsfähigkeit der Vergärung von Bioabfällen durch. Danach ist bei einem bundesweiten Anstieg der Vergärung von 15 % auf 80 % und gleichzeitiger technischer Optimierung eine Einsparung von 790.000 Tonnen Treibhausgasen möglich.

Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland erneut gestiegen

Im Jahr 2010 ist die Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland um ca. 1000 Neuanlagen auf insgesamt 6000 gestiegen. Die Anlagenanzahl konnte seit 1992 bisher um das 40fache gesteigert werden. Im letzten Jahr konnten daher schätzungsweise 4,3 Mio. Haushalte mit etwa 15 Mrd. Kilowattstunden Strom versorgt werden. Dabei wurden annähernd 4,7 Mrd. € erwirtschaftet.

Der Präsident des Fachverbandes Biogas e.V., Josef Pellmeyer, sieht die Gründe für die rasante Entwicklung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Seit April 2000 ist das Gesetz in Kraft und gibt den Betreibern entsprechende Planungssicherheit. Durch die Diskussion um eine vorzeitige Novellierung des Gesetzes, die sowieso schon um ein Jahr vorverlegt wurde, entsteht laut Josef Pellmeyer eine Verunsicherung bei den Anlagenbetreibern.

Hinzu kommt eine Diskussion über den Sinn des NawaRo-Bonus (Zusatzvergütung für Strom aus NawaRo-Produkten). Nach Ansicht des Präsidenten ist der NawaRo-Bonus, so wie er zur Zeit ist, gut. Stattdessen sollte der Gülle-Bonus angepasst werden. Die in den Medien genannten Probleme, Ausweitung des Energiepflanzenanbaus und eine stetig wachsende Zahl Biogasanlagen, tritt laut Josef Pellmeyer nur in Gebieten mit viel Viehhaltung und damit verbundener Gülleproduktion auf. Bisher ist der Gülle-Bonus an den NawaRo-Bonus gekoppelt. Aus diesem Grund werden zur Zeit in Gebieten mit viel Viehhaltung übermäßig viele Energiepflanzen angebaut und Biogasanlagen in Betrieb genommen. Durch eine Entkopplung vom NawaRo-Bonus, so ist Josef Pellmeyer überzeugt, würde den Problemen entgegengewirkt. Hinzu kommt eine Mindestschwelle für den Gülle-Bonus. Erst wenn der Input zu 30 Massenprozent aus Gülle besteht, wird der Bonus gewährt. Mit einer Abschaffung der Mindestschwelle und einer Miteinbeziehung von Abfall-Biogasanlagen würden zusätzliche Ursachen eliminiert werden.

Bei einer Kombination von Gülle, Energiepflanzen und Reststoffen sieht der Verband eine mögliche Leistungssteigerung der jetzigen Anlagen bis zum Jahr 2020 um das Dreifache voraus, besonders da Gülle bislang nur zu einem Fünftel in Biogasanlagen gelangt. Eine Lebensmittelverknappung wäre nach dessen Ansicht nicht gegeben. In Zukunft würde auch der Mais durch andere Energiepflanzen, je nach Standortbedingungen, ergänzt bzw. ersetzt. Zu nennen sind die Zuckerrübe, die Durchwachsene Silphie und in Erprobung befindliche Energiepflanzen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:
Fachverband Biogas e.V.
Biogas Branchenkennzahlen 2010
Positionspapier zur EEG Novelle 2011/2012

Werden alle pflanzlichen Krankheitserreger in Biogasanlagen abgetötet?

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob die Ausbringung von Gärresten nachwachsender Rohstoffe wirklich sicher ist und keine Krankheitserreger für die Pflanzen mit ausgebracht werden. Nach den Ergebnissen aus einer neuen Studie mehrerer Universitäten und Institute geht im Prinzip keine Gefahr von Gärresten aus.

In Laborbiogasanlagen wurde der Einfluss der Vergärung auf die Abtötung verschiedener Schaderreger in Versuchen der Humboldt Universität in Berlin, der Universität Rostock, des Julius Kühn-Instituts, dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und der Bioenergieberatung Bornim untersucht. Dabei wurde nach sechs Stunden bei 37 °C deutlich, dass viele Erreger bereits abgetötet wurden. Bestimmte Pilze konnten dagegen erst nach 24 bzw. 138 Stunden nicht mehr nachgewiesen werden. Ebenso wurde festgestellt, dass die meisten Krankheitserreger nach einer vierwöchigen Lagerung die Vermehrungsfähigkeit über Sporen verloren haben. Daher konnten lebensfähige Schadpilze nach der Lagerung nicht mehr nachgewiesen werden.

Die Versuche liefen über 140 Stunden. In Anbetracht der noch längeren Verweilzeit der Substrate in den Anlagen ist eineGefährdung sehr unwahrscheinlich. Eine Rolle bei der Abtötung der Schadorganismen spielen die thermische Stabilität der Erreger, das Substrat sowie die Lagerzeit nach der Vergärung. Ein Problem stellt die bakterielle Ringfäule an Kartoffelndar. Weder durch eine Vergärung über 138 Stunden noch durch die Lagerung war es möglich, den Erreger im Labor abzutöten. Bisher können mit Ringfäule befallene Kartoffen deshalb als nicht risikofrei bewertet werden. Die Ergebnisse müssen noch in der Praxis überprüft werden, um anschließend Empfehlungen für die Hygienisierung in Biogasanlagen abgeben zu können.

 

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier.

Sicherheitsleistungen jetzt Pflicht

Es haben sich neue Bestimmungen bezüglich der Sicherheitsleistungen von Abfallentsorgungsanlagen ergeben. Zum 1.3.2010 ist Artikel 2 des Rechtsbereinigungsgesetzes in Kraft getreten. Dies hat zur Folge, dass § 12 Abs. 1 Satz 2 und § 17 Abs. 4a Satz 1 des BImSchG einer Veränderung unterlegen sind. Die „Kann“-Bestimmung zur Festlegung einer Sicherheitsleistung ist zu einer „Soll“-Bestimmung geworden. Bei Anlagen, die unter den 8. Abschnitt des Anhangs zur 4. BImSchV fallen, ist somit im Genehmigungsverfahren normalerweise immer eine Sicherheitsleistung zu erbringen. Desgleichen gilt für Anlagen, die Teil oder Nebeneinrichtung einer anderweitig genehmigungsbedürftigen Anlage sind. Für bestehende Anlagen muss eine nachträgliche Anordnung zur Auferlegung einer Sicherheitsleistung geprüft werden. Der Verzicht auf eine Sicherheitsleistung ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich und dafür muss § 5 Abs.3 des BImSchG erfüllt werden. Dieser Paragraph legt die Art der Nachsorgepflichten fest.

Mit den Sicherheitsleistungen sollen u.a. die Entsorgungskosten für die maximal durch eine Genehmigung zugelassene Abfallmenge, wozu auch Bereitstellungslager zählen, im Fall einer Zahlungsunfähigkeit abgedeckt werden. Bei Anlagen ohne Beschränkung wird die maximale Anlagenkapazität als Grundlage genommen.

Die Sicherheitsleistung entspricht weiterhin den jeweils abfallspezifischen Entsorgungs- kosten. Falls die Stoffe bei der Behandlung den Abfallcharakter verlieren, ist mit Nachweisen eine Sicherheitsleistung entbehrlich. Weitere Kosten fallen für die Sicherung, Bewachung und Wiederherstellung des Geländes an.

Bei Abfallstoffen mit positivem Marktwert über einen gewissen Zeitraum ist eine Sicherheitsleistung nicht erforderlich. Des Weiteren müssen Abfallentsorgungsanlagen mit geschätzten Entsorgungskosten bis 20.000 € ebenfalls keine Sicherheitsleistung erbringen. Eine weitere Möglichkeit, keine Sicherheitsleistung zu erbringen, liegt im Bedarfsfall in der Übernahme der Entsorgungskosten durch Dritte. Ebenso können durch den Mieter eines Grundstückes (Betreiber der Anlage) an den Eigentümer eines Grundstückes angebotene Sicherheiten die Höhe der Sicherheitsleistung mindern.

Bei einer nachträglichen Anordnung für bereits bestehende Anlagen ist eine Anhörung des Anlagenbetreibers erforderlich. Der Anlagenbetreiber kann sich hier zu der Höhe der Leistung äußern. Dennoch ist bei Verzicht auf eine Sicherheitsleistung nachträglich die Erbringung einer Leistung möglich. Für bereits bestehende Anlagen kann ein sukzessiver Aufbau der Sicherheitsleistung vereinbart werden. Auch führen Neugenehmigungen oder wesentliche Änderungen von Anlagen ebenfalls zu einer Sicherheitsleistung.