Rhizoctonia: Kompost gegen Pocken

Bio-Bauern können die Wurzeltöterkrankheit eindämmen, wenn sie ausreichende Mengen Kompost verwenden. Doch nichts geht über gesundes Pflanzgut. Rhizoctonia solani heißt der gefürchtete Erreger der Wurzeltöterkrankheit. Die Pilzkrankheit führt zu schwarzen Pocken auf der Kartoffel und zu verformten Knollen und damit zu Ertrags- und Qualitätsverlusten. Mehrjährige Praxisversuche an der Universität Kassel-Witzenhausenzeigen erfolgversprechende Ansätze zur Bekämpfung der Krankheit.
Auflaufen beschleunigen Im Bio-Anbau ist eine direkte Bekämpfung kaum möglich. Die zugelassenen Präparate auf Grundlage natürlicher Gegenspieler, so genannter Antagonisten, wirken nicht immer ausreichend. Mit anbautechnischen Maßnahmen kann man das Infektionsrisiko reduzieren und das Auflaufen der Kartoffeln beschleunigen: Beim Pflanzen sollte der Boden warm und sorgfältig bearbeitet sein. Gut hilft, das Pflanzgut vorzukeimen und nicht zu tief abzulegen. Weiterhin sollte man darauf achten, welche Art der organischen Substanz man in
den Kartoffeln verwendet. So wird die Krankheit durch frische, wenig zersetzte organische Stoffe, insbesondere Strohreste, im Boden gefördert. Qualitätsvolle, gut ausgerottete Komposte hingegen haben eine unterdrückende Wirkung. Kompost aus Grünschnitt verwenden. Das Ausgangsmaterial des Kompostes ist entscheidend. Komposte mit holzreichem Ausgangsmaterial unterdrücken die Krankheit besonders gut. Denn sie zeichnen sich durch eine hohe Besiedlung mit Antagonisten wie zum Beispiel Trichoderma-Pilze aus, die den Rhizoctonia-Pilz parasitieren. Außerdem zeigen die Praxisversuche, dass der Erfolg von der Menge des eingesetzten Kompostes abhängt. Was heißt das für die Praxis? Als Bio-Anbauer darf man Komposte aus Grüngut sowie  aus pflanzlichen und tierischen Haushaltsabfällen, so genannte Bioabfallkomposte  einsetzen. Bioabfallkomposte dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie auf Schadstoffe (Schwermetalle) geprüft sind. Die Ausbringungsmenge  je Hektar ist laut Bioabfallverordnung auf maximal 20 Tonnen (in bestimmten Fällen 30 Tonnen) Trockenmasse innerhalb von drei Jahren begrenzt. Die Wissenschaftler von der Uni Kassel-Witzenhausen haben Komposte in unmittelbarer Umgebung der Pflanzknolle ausgebracht. Das hatte die besten Erfolgsaussichten, um den Erreger einzuschränken. Mit einer Kombination aus Kompoststreuer und Legemaschine wurden Kompost und Pflanzgut in der Reihe abgelegt. Insgesamt wurden von 2006 bis 2008 fünf Versuche durchgeführt. Dabei kam heraus, dass fünf Tonnen Grüngutkompost die Rhizoctonia-Symptome deutlich reduzieren. Im Vergleich zur unbehandelten Kontrollparzelle zeigten sich folgende Ergebnisse:
• 20 bis 84 Prozent weniger Pockenbesatz,
• 20 bis 50 Prozent geringere Knollendeformationen und
• 38 bis 54 Prozent reduzierte lokale Trockenfäule „dry-core“.
Der marktfähige Ertrag konnte damit um 15 bis 30 Prozent gesteigert werden. Diese Wirkung war in allen drei Versuchsjahren zu beobachten, sowohl bei unterschiedlichem Pflanzgut-Pockenbesatz, zwölf Sorten und unterschiedlichen Reifegruppen als auch auf verschiedenen Standorten. Wird die gleiche Menge Kompost breitflächig ausgebracht, unterdrückt sie die Infektion deutlich geringer. So traten Knollenmissbildungen und dry-core-Befall genauso stark auf wie in den Kontrollparzellen.

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