Nitratauswaschung gezielt reduzieren

In der Diskussion um die Düngeverordnung fordert die EU-Kommission pauschale Obergrenzen für die Stickstoffdüngung, wie sie beispielsweise schon vor einiger Zeit in Dänemark eingeführt wurden.

Zur Nitratauswaschung kommt es im Winterhalbjahr, wenn mehr Niederschläge fallen, als der Boden über Verdunstung und über die Pflanzen wieder abgibt. Das Sickerwasser verlagert dann das im Boden vorliegende Nitrat in tiefere Schichten. Feste Stickstoffobergrenzen, wie sie die EU für die Düngeverordnung fordert, sollen die Nitratauswaschung in das Grundwasser vermindern. Ob das zum Ziel führt ist jedoch eher fraglich.

Die Höhe der Auswaschung bemisst sich im Wesentlichen an der Nitratmenge zu Beginn der Sickerperiode – dem Rest-Nmin – sowie der Sickerwassermenge. Der Rest-Nmin stammt aus überschüssigem Düngerstickstoff und aus der Stickstoffnachlieferung des Bodens. Hohe N-Bilanzüberhänge sind die Hauptursache für hohe Rest-Nmin-Mengen und Nitratauswaschung. Die Stickstoffdüngung an den tatsächlichen Bedarf der Kulturen anzupassen, ist also nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch sinnvoll.

Wichtigste Maßnahme zur Reduzierung der Nitratauswaschung ist also, die Rest-Nmin-Gehalte möglichst niedrig zu halten. Das erfordert eine bedarfsgerechte Düngung der Hauptkultur. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Rest-Nmin-Gehalte bei bedarfsgerechter N-Düngung kaum höher sind als bei reduzierter oder gar unterlassener N-Düngung. Erst wenn zu viel Stickstoff gedüngt wird und hohe N-Bilanzüberschüsse vorliegen, steigen die Rest-Nmin-Werte an.

Pauschale Obergrenzen lassen eine bedarfsgerechte N-Düngung nicht mehr zu. Denn die Höhe der optimalen N-Düngung schwankt von Standort zu Standort, von Fruchtfolge zu Fruchtfolge und von Jahr zu Jahr erheblich. Auch gibt es zwischen den verschiedenen Naturräumen infolge von der regional unterschiedlichen Jahreswitterung und der unterschiedlichen Böden eine große Schwankungsbreite. Die Naturräume in Deutschland unterscheiden sich sehr stark.

Im Ergebnis würde eine pauschale Obergrenze unter deutschen Verhältnissen daher dazu führen, dass Betriebe mit vergleichsweise niedrigem Ertragspotenzial zu wenig Stickstoff einsetzen. Beides geht zu Lasten der Rentabilität, Überdüngung zusätzlich zu Lasten der Umwelt.

Die eigentliche Ursache der Nitratauswaschung, nämlich zu hohe Bilanzüberhänge, wird durch die Einführung pauschaler Obergrenzen nicht gezielt angegangen. Zu einseitig würde der Stickstoffeinsatz reglementiert. In intensiv wirtschaftenden Betrieben bedeutet ein hoher N-Düngereinsatz nicht automatisch, dass hohe N-Bilanzüberhänge und damit unakzeptable Nitratausträge entstehen. Durch pauschale Obergrenzen würden intensiv wirtschaftenden Betrieben, die ihre N-Bilanz im Griff haben, wirtschaftliche Hürden in den Weg gestellt und ihr Entwicklungspotential eingeschränkt.

Das „Handwerkszeug“ zur Optimierung der N-Düngung und damit zur Reduzierung der Nitratauswaschung steht in Deutschland für die verschiedenen Kulturen und Regionen in Form von praxistauglichen und geprüften Empfehlungen und Methoden zur Verfügung. Den Einsatz dieses Know-hows zu fördern ist auf lange Sicht besser für die wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe und für Grund- und Oberflächenwasser als die Einführung wenig zielgerichteter und teilweise kontraproduktiver Maßnahmen

Quelle: Dr. Hans-Peter Wodsak, Stephan Wohlmuth, Landesarbeitskreis Düngung Bayern, BLW 48, 29.11.2013

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