Archiv für den Monat: Dezember 2011

Untersuchungspflicht des Trinkwassers auf Legionellen

Die neue Trinkwasserverordnung hat alle Hauseigentümer (und somit die für die abgegebene Wasserqualität Verantwortlichen) in die Pflicht genommen, das Trinkwasser regelmäßig auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Eigens zu diesem Thema hat die IfMU GmbH, Ihr Partner-Labor, eine Webseite eingerichtet.

 

Auf www.legionellen.ifmu.de werden Sie über Folgendes informiert:

Mit der langjährigen Erfahrung im Bereich der Umweltanalytik bietet Ihnen die IfMU GmbH

  • kompetente & individuelle Beratung, auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt,
  • anerkannte Probenahme nach Trinkwasserverordnung,
  • zertifizierte Analyse von Trinkwasser auf Legionellen und auf viele weitere (auch mikrobiologische) Parameter (Ecoli, Gesamtkeimzahl etc.).

Haben Sie hierzu Fragen oder benötigen Hilfe ?

Rufen Sie die Mitarbeiter der IfMU an: 08171 / 38 01 00

oder

infomieren Sie sich einfach auf der Webseitewww.legionellen.ifmu.de

40 Cent zahlen Konsumenten für vermeintlich umweltfreundlichen Biobeutel

Der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling sieht sich durch einen aktuellen Bericht des WDR-Magazins Markt bestätigt. Der Beitrag zeigt, dass Tüten aus Bioplastik für große Probleme beim Recycling von Verpackungen und bei der Kompostierung sorgen. Am Ende bleibt dann oft nur noch der Weg in die Müllverbrennung. Erst kürzlich machte Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des Fachverbands Kunststoffrecycling auf die Problematik aufmerksam: „Die Qualität des Kunststoffrecyclings muss im Vordergrund stehen. Deshalb sehen wir den vermehrten Einsatz von Biokunststoffen äußerst kritisch. Hier gibt es momentan noch zu viele Fragezeichen.“

Immerhin 40 Cent zahlen Konsumenten bei Aldi oder Rewe für die vermeintlich umweltfreundlichen Biobeutel, die kompostierbar sein sollen. Leider halten sie nicht, was sie versprechen: Die Biotüten gleichen den herkömmlichen Kunststofftüten rein äußerlich und die Bürger wissen oft nicht, wo sie entsorgt werden müssen. Nach Gebrauch landen sie meist in der Biotonne oder in der gelben Tonne. Beides ist jedoch mit Problemen verbunden: Das Kunststoffrecycling für Wertstoffe aus der gelben Tonne wird durch die Biotüten, die beispielsweise aus Maisstärke hergestellt sind, erheblich beeinträchtigt. Bei der Sortierung werden sie deshalb ausgesondert und in die Restmüllverbrennung gegeben.

Landen die Biotüten in der Biotonne, kommt es hier zwangsläufig zu einer Vermischung von Biokunststoffen und herkömmlichen Kunststofftüten. Da die Materialien optisch nicht zu unterscheiden sind, werden vor der Kompostierung alle Tüten aussortiert. Im Übrigen wird die Biotüte bei der privaten Kompostierung kaum abgebaut.

„Insgesamt stellt der Fernsehbeitrag den Biokunststoffen ein schlechtes Zeugnis aus“, kommentiert Textor. „Es wird deutlich, dass die Idee nicht zu Ende gedacht wurde und das geht zu Lasten der Recyclingbetriebe. Auch ein augenscheinlich erfolgreiches Pilotprojekt der BASF mit Mülltüten aus Biokunststoff im Landkreis Bad Dürkheim kann darüber nicht hinwegtäuschen. Selbst wenn die Biokunststofftüten während der Kompostierung abgebaut werden, bleibt die unvermeidbare Vermischung von Biokunststoffen und herkömmlichen Kunststoffen, die zum Aussortieren aller Tüten zwingt. Die einzig praktikable Verwertungsmöglichkeit für Biokunststoffe ist zurzeit nur die Verbrennung“, kritisiert Textor. Darüber hinaus betont der Fachverbandsvorsitzende, dass das Recycling herkömmlicher Plastiktüten, die von den Verbrauchern über die gelben Tonnen in den Wertstoffkreislauf gegeben werden, in Deutschland vorbildlich funktioniert.

Quelle: bvse, erschienen am: 2011-11-05 im europaticker

Fachverband Biogas beklagt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG)

Energetisch genutzte Gülle unterliegt jetzt Abfallrecht

Durch das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) wird künftig Gülle, die energetisch in Biogasanlagen genutzt werden soll, zusätzlich zum Veterinär- und Düngerecht auch dem Abfallrecht unterliegen, beklagt sich der Fachverband Biogas.

Mit der Verabschiedung dieser sachlich nicht nachvollziehbaren und auch vom Europäischen Biogasverband (EBA) stark kritisierten Regelung, hat Deutschland dem Druck der Europäischen Kommission nachgegeben. Brüssel hatte eine ursprünglich von Deutschland zur Notifizierung vorgelegte Ausnahme von Wirtschaftsdüngern zur Verwendung in Biogasanlagen aus dem Abfallrecht abgelehnt. „Es bleibt sachlich nicht nachvollziehbar, warum die Europäische Kommission, die von Deutschland vorgeschlagene Ausnahme so kategorisch ablehnt“, betont der Geschäftsfu¨hrer des Fachverbandes Biogas e.V., Dr. Claudius da Costa Gomez. Denn Gülle, die unvergoren in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt wird, unterliegt weiterhin nicht dem Abfallrecht. Der gleiche Status sollte auch fu¨r diejenige Gülle gelten, die zuvor zusätzlich energetisch in Biogasanlagen genutzt wird.

erschienen am: 2011-11-02 im europaticker

Bleser: Biomasse ist Deutschlands bedeutendste regenerative Wärmequelle

Um die Energieziele der Bundesregierung zu erreichen, muss der Anteil von Wärme aus Biomasse zukünftig deutlich gesteigert werden.

„Aus Biomasse erzeugte Wärme ist bereits für gut 9 Prozent der gesamten Wärmebereitstellung in Deutschland verantwortlich“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin, Peter Bleser, am Mittwoch bei der Tagung „Wärmeerzeugung aus Biomasse“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Biomasse nehme einen Spitzenplatz bei der klimaschonenden Energieerzeugung ein, so Bleser weiter.

92 Prozent der erneuerbaren Wärmeerzeugung in Deutschland geht auf den Rohstoff Biomasse und dabei vor allem auf Holz zurück. Allein durch den Ersatz fossiler Brennstoffe werden jedes Jahr Treibhausgas-Emissionen von gut 36 Millionen Tonnen eingespart. Biomasse gilt außerdem als die vielseitigste regenerative Energiequelle, da sie in fester, flüssiger oder gasförmiger Form gespeichert werden kann und damit ganzjährig zur Verfügung steht.

Die positiven Effekte der energetischen Biomassenutzung müssten auch in die Novelle des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes (EEWärmeG) aufgenommen werden, so Bleser. Moderne Heizkessel und Einzelraumfeuerungen würden den Brennstoff Biomasse gerade im dezentralen Wohnbereich hocheffizient und klimaschonend nutzen. „Das ist eine vorbildliche Energie der kurzen Wege. Das Heizen mit Biomasse darf bei den Rahmenbedingungen des EEWärmeG gegenüber anderen Erneuerbaren Energie-Technologien nicht benachteiligt werden“, sagte Bleser.

Bei der Tagung informierten sich 180 Fachleute aus der Energiewirtschaft, Wissenschaft und Politik über den aktuellen Stand im Wärme-Sektor und diskutierten den weiteren Handlungsbedarf auch im Hinblick auf die im Jahr 2012 anstehende Novelle des EEWärmeG.

Kompost und Klärschlamm als Energie der Zukunft

Energie aus Mais und anderen Getreidesorten herzustellen, stört die Nahrungskette. Deswegen widmen sich Forscher nun Pflanzenresten.
Aus Kompost mach Kohle: Wissenschaftler der Hochschule Ruhr West (HRW) in Bottrop wollen den Einsatz von Biokohle als Brennstoff vorantreiben. „Biokohle wird ein Baustein in der Energiewende. Ob sie ein Arbeitspferd wird, müssen wir erst noch ergründen“, sagte der Leiter des Instituts Energiesysteme und Energiewirtschaft der HRW, Marcus Rehm.

Energie aus dem Müll: Aus Gartenabfällen wir Biokohle erzeugt

Mit zwei Doktoranden untersucht er, wie sich aus Grünschnitt, Gartenabfällen oder Kompost Biokohle erzeugen lässt.

Bei der Herstellung von Biokohle gehe es längst nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. „Im Grunde können Sie Biokohle aus allen organischen Materialien herstellen“, sagte Rehm. „Die Frage ist: Wie ist es energetisch am sinnvollsten?“

Beantworten Sie wichtige Energie-Fragen!

Bisher wird Kohle bei der sogenannten hydrothermalen Carbonisierung (HTC) unter Zugabe von Wasser erzeugt. Für diese Entdeckung erhielt der deutsche Chemiker Friedrich Bergius 1931 den Nobelpreis für Chemie.

Rehm und seine Kollegen setzen auf die Weiterentwicklung dieser Technik, der vapothermalen Carbonisierung (VTC). Bei bis zu 250 Grad Celsius und 42 bar Druck entsteht Kohle aus Biomasse statt im Wasserbad in einer Dampfatmosphäre. Das VTC-Verfahren verspreche schneller und energieeffizienter zu sein, erklärte der 45 Jahre alte Forscher.

Biosprit verteuert Nahrungsmittel

Aber nicht nur Pflanzenreste, sondern auch feuchte Holzabfälle, Klärschlamm oder Baumrinden seien mögliche Brennstoffe der Zukunft. Rehm warnte aber davor, beliebig nach biologischen Stoffen zur Energieerzeugung zu suchen: „Biomasse findet sich immer in Konkurrenz zur Nahrungskette.“

Dies habe sich in Mexiko gezeigt, wo 2007 durch den Biosprit-Boom in den USA der Mais knapp wurde. Spätestens diese „Tortilla-Krise“ habe verdeutlicht, dass sich die Energiewirtschaft nicht beliebig aus organischer Masse bedienen könne. „Fruchtbare Flächen dienen der Lebensmittelverwertung. Die Energieverwertung muss sich hinten anstellen.“ Pflanzenreste seien gerade interessant, weil es keine direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelindustrie gebe.

Rehm deutete auf einen weiteren Vorteil der Kohle aus Biomasse hin: „Biokohle kann dafür geeignet sein, die Eigenschaften von Böden zu verbessern.“ Die gepressten Pellets könnten als Hilfsstoff helfen, den Boden dauerhaft fruchtbarer zu machen und das Wachstum von Pflanzen zu steigern. Dabei könnten sie auch eine Kohlenstoff-Senke bewirken. Bis es soweit sei, vergehe aber noch etwas Zeit.

Quelle: Welt.de – Wissenschaft

 

 

 

Mikrobiologische Hygiene in Biogasanlagen

Entgegen vielen Anschuldigungen vermehren sich pathogene Erreger nicht

Immer wieder wird behauptet, Biogasanlagen könnten Brutstätten für gefährliche Bakterien oder Viren sein. Doch Studien widersprechen dem. Allerdings werden auch nicht alle Keime in der Anlage vernichtet.

Ob während der im vergangenen Sommer in Deutschland grassierenden Ehec-Epidemie, bei unerklärlichen Rindererkrankungen oder anderen mysteriösen Infektionen, stets werden auch Biogasanlagen als Quelle der Keime an den Pranger gestellt. Schliesslich würden in vielen solcher Anlagen Gülle, Speisereste und teilweise sogar Abfälle aus Schlachthöfen – also potenziell mit Erregern belastetes Material – vergoren und die Gärreste als Dünger auf Felder ausgebracht, wird argumentiert. Zudem könnten Biogasanlagen regelrechte Brutstätten für Keime sein, da diese bei den dortigen Temperaturen zwischen 38 und 42 Grad Celsius sowie unter Ausschluss von Sauerstoff ideale Wachstumsbedingungen vorfänden. Doch wie zutreffend sind solche Behauptungen?

Pasteurisierung vorgeschaltet

Experten an diversen Forschungseinrichtungen in Europa sind in letzter Zeit dieser Frage nachgegangen. Niemand zieht den Klärungsbedarf in Zweifel. Schliesslich sind Biogasanlagen derzeit, dank dem enormen Aufwärtstrend der sogenannt grünen Energie, mehr und mehr gefragt (siehe Kasten). Zudem ist es unbestritten, dass pathogene Bakterien oder Viren mit Gülle oder Abfällen in eine Biogasanlage gelangen können. Doch sämtliche Untersuchungen haben gezeigt, dass im Verlaufe des Gärungsprozesses fast alle Erreger um mehrere Zehnerpotenzen oder – anders ausgedrückt – zu über 99 Prozent reduziert werden. Dies gilt laut den Veröffentlichungen zum Beispiel für Salmonellen, sämtliche untersuchte E.-coli-Varianten inklusive Ehec, Influenzaviren und auch für viele Pflanzenschädlinge.

Laut Urs Baier vom Institut für Biotechnologie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften herrschen in Biogasanlagen keineswegs ideale Wachstumsbedingungen für gefährliche Keime. Zum einen sei dort der Konkurrenzdruck für eingebrachte Erreger sehr hoch. Denn für die Vergärung benötige man grosse Mengen an Abfall-verarbeitenden und Methan-produzierenden Bakterien. Gegenüber dieser Übermacht könnten sich die vergleichsweise wenigen Neuankömmlinge kaum behaupten. Das sei ähnlich wie in unserem Darm. Auch dort könnten sich pathogene Bakterien aus der Nahrung im Normalfall nicht festsetzen und vermehren, sagt der Biotechnologe. Zum anderen seien in den Anlagen der Säuregehalt und andere Parameter optimal auf die für die Vergärung benötigten Bakterien eingestellt, nicht aber für Salmonellen oder E.-coli-Bakterien.

Um die mikrobiologische Sicherheit weiter zu erhöhen, müssen in Deutschland, in der Schweiz und laut Verordnung in allen EU-Ländern viele Abfälle laut den jeweiligen Abfallverordnungen vor dem Einsatz in einer Biogasanlage einem vorgeschalteten Hygienisierungsschritt unterzogen werden. So müssen Speisereste und tierische Abfälle mindestens eine Stunde bei 70 Grad Celsius entkeimt werden oder eine andere, offiziell anerkannte und ebenso wirksame Massnahme zur Tötung der Keime durchlaufen.

Eine Besonderheit stellen sogenannte thermophile Biogasanlagen dar. Diese Anlagen vergären das Material bei über 53 Grad Celsius. Wenn die dauerhafte Einhaltung dieser Temperatur durch Messungen nachgewiesen werde und der Anlagetyp eine Hygieneprüfung durchlaufen habe, könne die vorgängige Hygienisierung von Speiseresten entfallen, sagt Markus Hardegger, Leiter des Fachbereichs Dünger am Bundesamt für Landwirtschaft. Denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass pathogene Keime auf diese Weise vernichtet würden.

Baier und andere Experten betonen zudem, dass Landwirte gemäss der immer einzuhaltenden guten landwirtschaftlichen Praxis Gärreste ebenso wie normale Gülle nicht auf Gemüsefeldern kurz vor der Ernte oder auf Weideflächen direkt vor der Nutzung durch Tiere verteilten sollten. Biogasanlagen seien zwar ein vergleichsweise neues Element in der Abfallverwertungskette, sagt Baier. Aber da sie die Menge allfällig vorhandener Keime in keinem Fall erhöhen, hängt das mikrobiologische Risiko von Gärresten aus Biogasanlagen von der korrekten Einhaltung aller Regeln ab.

Vorsicht mit Pflanzenabfällen

Allerdings gibt es Erreger wie etwa einige Pflanzenschädlinge oder Clostridien, von denen manche Stämme für Menschen und Tiere gefährlich sind, die in keiner Biogasanlage komplett inaktiviert oder vernichtet werden. Eine kürzlich veröffentliche Studie aus Schweden kommt zu dem Schluss, dass in den Gärresten von Biogasanlagen ein bis drei Zehnerpotenzen weniger Clostridien vorhanden waren als im Ausgangsmaterial. Somit sind Gärreste zwar nicht absolut Clostridien-frei, aber weniger gefährlich als Gülle, welche ebenfalls ohne spezielle antibakterielle Behandlung als Dünger verwendet wird.

Da einige für Pflanzen schädliche Erreger wie Aspergillus- oder Mehltaupilze in Biogasanlagen auch nur teilweise inaktiviert würden, dürften damit belastete Pflanzenteile auf keinen Fall in Biogasanlagen entsorgt werden, sagen viele Experten. Alle Betreiber müssten immer vor der Beschickung der Anlage das ankommende Material per Auge überprüfen. Bauern oder Firmen dürften solches Material gar nicht erst an Biogasanlagen liefern. Denn sonst können via Gärreste Pflanzenschädlinge wieder in die Kulturen eingebracht werden. Das ist zwar keine Gesundheitsgefährdung für die Menschen, aber ein wirtschaftlicher Schaden.

Quelle: Stephanie Lahrtz, NZZ-Nachrichten Wissenschaft

 

Vier Stunden bleiben Zeit: neue Regelung zum Einarbeiten flüssiger Stickstoffdünger

Jetzt ist es amtlich: Vier Stunden bleiben ab kommendem Jahr längstens Zeit, um auf unbestellten Ackerflächen flüssige Stickstoffdünger einzuarbeiten. Dies regeln die geänderten Vollzugshinweise zum § 4 Absatz 2 der Düngeverordnung. Bisher galt die „unverzügliche Einarbeitung“ als erfüllt, wenn die ausgebrachten flüssigen Dünger innerhalb desselben Tages oder, wenn ein Landwirt am Abend gedüngt hatte, am folgenden Vormittag eingearbeitet wurden.

Ein Brief des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, der dem Wochenblatt vorliegt, informiert die Landwirtschaftsämter und die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft über die Hintergründe der neuen Vollzugshinweise (siehe Kasten). Das Ziel, das damit verfolgt wird, lautet, die Ammoniakemissionen zu verringern. Die Landwirtschaft ist dabei besonders in der Pflicht, weil sie 95 % dieser Emissionen zu verantworten hat.

Schon am 1. April dieses Jahres hat die Agrarministerkonferenz entschieden, den Passus der „unverzüglichen Einarbeitung“ genauer zu erklären. Dies auch deshalb, weil Deutschland ansonsten Strafzahlungen an die EU zu befürchten gehabt hätte. Denn die EU fordert schon seit 2001 von Deutschland die Einhaltung einer Obergrenze von 550.000 t Ammoniak, die – trotz rückläufiger Mengen – mehrmals überschritten wurden.

Der Bayerische Bauernverband bestätigt zwar einerseits das Interesse der Landwirte, den wertvollen Stickstoff der flüssigen Dünger so gut wie möglich zu verwerten, und damit auch das Interesse an einer schnellen Einarbeitung. Er wendet sich jedoch im Vorfeld gegen starre Regelungen. Der Bauernverband wertet es für sich als Erfolg, dass die Vierstundenregel nicht in der Düngeverordnung selbst, sondern nur in den Vollzugshinweisen festgehalten ist. Bayern und zwei weitere Bundesländer lassen zudem bei einigen Sonderfällen Ausnahmen zu. Trotzdem sollten Landwirte künftig grundsätzlich innerhalb der Vierstundenfrist einarbeiten.

Laut dem Brief des Landwirtschaftsministeriums gilt für den „Abschluss der Einarbeitung“, dass die „vorgefundenen Verhältnisse auf jeder Teilfläche eines Feldstückes entscheidend“ sind. Das bedeutet, dass auf jeder Teilfläche die ausgebrachten Dünger nicht länger als vier Stunden unbearbeitet verbleiben sollen.

So lauten die neuen Vollzugshinweise:

Die Vollzugshinweise zu § 4 Abs. 2 Düngeverordung sind ab dem 01.01.2012 gültig. Sie lauten folgendermaßen:

„Diese Regelung gilt, um die gasförmigen Ammoniakverluste so gering wie möglich zu halten. „Unverzüglich“ bedeutet, „ohne schuldhaftes Zögern“.

Zur Erfüllung dieser Anforderung kommen folgende Verfahren in Betracht:

  • Direkte Einarbeitung: Die Aufbringung erfolgt mittels Injektionstechnik oder einem Kombinationsgerät, das sowohl aufbringt als auch direkt einarbeitet.
  • Getrennte Aufbringung und Einarbeitung: Bei einer der Aufbringung folgenden Einarbeitung (paralleles oder absätziges Verfahren) soll die Einarbeitung schnellstmöglich, in der Regel jedoch innerhalb von vier Stunden nach Beginn der Aufbringung, abgeschlossen sein. Werden die betroffenen Düngemittel bei einer aus fachlicher Sicht ungünstigen – weil emissions- und damit verlustträchtigen – Witterung aufgebracht, sollen kürzere Einarbeitungszeiten eingehalten werden.

Für die Beurteilung, ob ein Verstoß gegen die Pflicht zur unverzüglichen Einarbeitung vorliegt, ist auch die der Aufbringung folgende Witterung zu berücksichtigen. Insbesondere kann bei Regen oder bei einer Aufbringung bei niedrigen Temperaturen (z.B. am Abend) von geringen Ammoniakemissionen ausgegangen werden.

Bei beiden Verfahren ist dafür zu sorgen, dass es zu einer ausreichenden Einarbeitung in den Ackerboden kommt.

Das Einarbeitungsgebot gilt für

  • Gülle,
  • Jauche,
  • flüssige Gärreste (TM-Gehalt bis zu 15 Prozent),
  • sonstige flüssige organische Düngemittel (TM-Gehalt bis zu 15 Prozent) mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff,
  • sonstige flüssige organisch-mineralische Düngemittel (TM-Gehalt bis zu 15 Prozent) mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff und
  • Geflügelkot.“

Quelle: BLW 48, vom 02.12.2011 Seite 45

Änderung der Novelle der BioAbfV

Die anfängliche Euphorie über die bevorstehende Verabschiedung der Novelle der Bioabfallverordnung (wir berichteteten) ist jäh abgeklungen. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 25. November nur nach Maßgabe von insgesamt 28 Änderungen der Novelle zugestimmt. Dies kam sowohl für die verschiedenen Branchenverbände als auch für das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium recht überraschend. Diese Änderungen blockieren im wesentlichen die biologische Abfallverwertung mehr, wohingegen das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz eine stärkere Nutzung von Bioabfällen anstrebt.

Es bleibt demnach abzuwarten, inwieweit ein Verkündigungshindernis, welches durch BMU und BMLEV erklärt werden kann, erwirkt wird, wodurch sich das Inkrafttreten der Novelle wieder verschieben könnte.

Wir werden Sie hierzu aber weiterhin auf dem Laufenden halten.