Archiv für den Monat: August 2010

Wirtschaft plädiert für Verschiebung des Nachhaltigkeitsstandards für Biomasse

Die an der Erzeugung und Nutzung aus flüssiger  Biomasse hergestellter Energie beteiligte Wirtschaft fordert eine Verschiebung der Nachhaltigkeitsstandards für Biostrom und Biokraftstoffe. Das wurde während einer öffentlichen Anhörung des Umweltausschusses am Mittwochvormittag deutlich. Klaus-Dieter Schumacher vom Agrar-Handelsunternehmen Toepfer International sprach sich dabei für die von den Koalitionsfraktionen geplante Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (17/1750) aus. Erst ab 1. Januar 2011 soll demnach die Pflicht gelten, zur Stromerzeugung aus flüssiger Biomasse nur solche aus nachhaltiger Herstellung zu    verwenden, sofern der erzeugte Strom nach den Maßgaben des EEG vergütet werden soll. Nach bisheriger Gesetzeslage soll die Pflicht ab 1. Juli 2010 gelten.

Eine Verschiebung sei ”unvermeidbar“, sagte Schumacher und verwies darauf, dass alle Beteiligten ”Neuland“ betreten würden und zudem die nötigen Durchführungsbestimmungen erst ”in letzter Minute“ erhalten hätten. Die Wirtschaft habe sich zwar darauf vorbereitet, die Ernte 2010 als nachhaltig zu zertifizieren. Es sei jedoch zu ”Engpässen“ gekommen, da bis vor kurzem nicht klar gewesen sei, wie und wer zertifiziert werden solle. Die Zertifizierung sei in folge dessen ”schwer angelaufen“, sagte Schumacher und verwies darauf, dass es nur elf anerkannte Zertifizierer gebe, die begrenzt Personal zur Verfügung hätten. ”Nur wenn es zu einer Verschiebung kommt, wird es möglich sein, nachhaltig zertifizierte Biomasse zur Aufrechterhaltung der bisherigen Biomenge für die Märkte zu beschaffen“, schätzte  Schumacher ein.

Für die Zertifizierungswirtschaft sei angesichts von 1.500 Unternehmen im Erfassungssektor, 250 Ölmühlen und etwa 4.500 landwirtschaftlichen Betrieben, die stichprobenartig untersucht werden, auch der 1. Januar 2011 ein ”ambitioniertes Ziel“, sagte Peter Jürgens von der  REDcert GmbH, einer Gesellschaft zur Zertifizierung nachhaltig erzeugter Biomasse. Es  werde alles unternommen, um dies umzusetzen, sagte er. Es gehe dabei jedoch nicht allein um eine Fristeinhaltung, sondern um eine ”sorgfältige und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit“  vorzunehmende Zertifizierung, um Akzeptanz auf Seiten der Anwender zu schaffen. Das Verfahren dürfe keine ”Formalnummer“ werden, forderte Jürgens.
Gegen die geplante Verschiebung sprach sich Martina Fleckenstein von der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland aus. Es wäre, sagte Fleckenstein, schon die zweite Verschiebung, da das EEG ursprünglich zum 1. Januar 2010 in Kraft treten sollte. ”Unsere Befürchtung ist, dass wir im November wieder hier sitzen und über eine weitere Verschiebung diskutieren“, sagte sie. Es sei aus ihrer Sicht auch nicht nachvollziehbar, warum die Industrie sich so überrascht von den Zertifizierungsbemühungen gebe. Es sei doch schon 2006 von der Politik die Initiative ergriffen und ein ”sehr gutes Zertifizierungssystem entwickelt worden“, welches seit Januar 2010 anerkannt sei.

Auf die Situation der ”kleinen dezentralen Ölmühlen“ in Deutschland ging Thomas Kaiser vom Institut für Energie- und Umwelttechnik ein. In den letzten Jahren seien 300 von ihnen aufgebaut worden. Sie seien ein Stützelement der Landwirtschaft. Nur eine davon sei bisher zertifiziert, sagte Kaiser. Ohnehin rufe bei den Beteiligten der Gedanke, Ölmühlen, die ohne jede Chemie arbeiten würden einer Zertifizierung zu unterziehen ”Kopfschütteln“ hervor. Kaiser plädierte daher für eine ”Verschiebung oder eine Sonderstellung“. ”Wir erwürgen sonst die kleinen Ölmühlen“, warnte er. Dies wäre schade, weil sie künftig ”dringend gebraucht würden“.

Bioabfall: Abgeordnete fordern mehr Recycling

Mehr als 100 Millionen Tonnen an Bioabfall werden jährlich in Europa produziert, doch das darin steckende wirtschaftliche und ökologische Potential bleibt oft ungenutzt. Nach neueren Veröffentlichungen fordern die Europa-Abgeordneten deshalb mehr Recycling – so kann Bioabfall etwa verstärkt als Kompost wiederverwendet werden.  Außerdem soll die getrennte Abfallsammlung europaweit eingeführt werden. Als Antwort auf ein Grünbuch der Kommission über die Bewirtschaftung von Bioabfall in der Europäischen Union hat das Parlament am 6. Juli eine Entschließung zum Thema Bioabfall bekräftigt. Einheitliche Regeln sollen mehr Klarheit und Rechtssicherheit bringen.

 

Bioabfall getrennt einsammeln
In Ländern wie etwa Österreich, den Niederlanden oder Schweden wird Bioabfall weitgehend getrennt gesammelt. Doch in vielen anderen EU-Ländern sammelt man Bioabfall nach wie vor zusammen mit anderen Resten ein. In der Entschließung fordern die Europa-Abgeordneten nun eine einheitliche getrennte Abfallsammlung, soweit dies aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen machbar sei.

Bioabfall nutzen – Kompostierung und Verbrennung
Doch was geschieht mit dem Abfall, wenn er erst einmal eingesammelt wurde? Die umweltverträglichste Lösung ist Recycling: Bioabfall kann entweder verbrannt oder kompostiert  werden.
In Schweden und Dänemark etwa wird das bei Bioabfall frei werdende Methangas bereits häufig als Brennstoff genutzt, während Deutschland und Österreich die höchsten Kompostraten aufweisen.
Die Ablagerung in einer Mülldeponie ist zweifelsfrei die schlechteste Lösung – dennoch landet europaweit ca. 40 % des Biomülls auf einer Deponie, in Polen und Litauen sind es sogar 90 %.
Das Europa-Parlament tritt dafür ein, Bioabfall generell vermehrt wiederzuverwerten und die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben. So soll etwa eine auf Qualität beruhende  Klassifizierung der Arten von Kompost aus Bioabfällen erstellt werden.
Darüber hinaus fordert das Parlament die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, Maßnahmen zur Schaffung von Umweltbewusstsein durchzuführen, um auf die Möglichkeiten der Nutzung von Bioabfällen aufmerksam zu machen.
Die Kommission soll bis Ende des Jahres einen Richtlinienentwurf dazu einbringen.

 

 

Wachsende Nachfrage nach Kraftwerken für Energie aus organischen Abfällen

Die Vermarktung von innovativen und modernen Systemen und Technologien zur Umwandlung von organischem Abfall in Energie sorgt für einen neuen Wachstumsschub für die Branche der Grünen Energie weltweit. Kraftwerke für Energie aus organischem Abfall stellen eine optimale Möglichkeit dar, Bioabfälle zu verwerten und dabei Energie zu erzeugen. Viele Landesregierungen bestätigen, dass solche Anlagen eine ideale Lösung sind, um den Klimawandel zu bekämpfen und Unabhängigkeit im Energiebereich zu gewährleisten. Begünstigt durch staatliche Maßnahmen und Förderungen steigt daher die Nachfrage nach Kraftwerken für Energie aus organischem Abfall in der Welt und der Markt wird wettbewerbsfähiger.

Laut einer neuen Studie von Frost & Sullivan wird der Markt für Energie aus organischem Abfall in Europa, dem größten regionalen Ländermarkt im globalen Vergleich, bis 2016 auf 3,6 Milliarden US-Dollar anwachsen. Der deutsche Markt machte im Jahr 2009 76,8 Prozent vom europäischen Gesamtmarkt aus und erwirtschaftete 998,3 Millionen US-Dollar. Begünstigt durch staatliche Maßnahmen und einen unterstützenden Banksektor, ist der Markt in Deutschland in den letzten zehn Jahren exponentiell angestiegen. Dieselben Maßnahmen werden nun in anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel in Italien eingeführt, und es ist daher zu erwarten, dass diese Märkte in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen werden.

In anderen Gebieten der Welt befindet sich der Markt für Energie aus organischem Abfall jedoch noch in den Kinderschuhen. „In Asien und Nord- und Südamerika bleibt der Markt für Energie aus organischem Abfall aus drei Gründen unterentwickelt,“ erläutert Senior Analyst Nuno Oscar Branco von Frost & Sullivan. „In erster Linie müssen die dortigen Regierungen erst Maßnahmen für Biogas und Grüne Energie einführen; zweitens ist die Menge, Verfügbarkeit, Qualität und das Management des Ausgangsmaterials nicht ausreichend für Investitionen oder langfristiges Wachstum; und zuletzt stellt die hauptsächlich auf Europa und Deutschland konzentrierte Biogasindustrie keine Ressourcen für die Entwicklung dieser Märkte bereit“.

Die Lage verändert sich jedoch in einigen Ländern und Stadtverwaltungen, in denen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Energie aus organischem Abfall verbessert haben. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel hat die Bundesregierung das Programm AgSTAR gestartet, das „den Einsatz von Technologien zur Methanrückgewinnung (Biogas) fördert, (…) um Methanemissionen zu reduzieren bei gleichzeitigem, anderen ökologischem Nutzen“, und in Indien fördert die Regierung von Punjab den Bau von modernen Kraftwerken zur Energiegewinnung aus biologischen Abfällen zur Energieversorgung der Region. „Diese beiden Beispiele machen deutlich, welche Art von Projekten sich voraussichtlich weltweit in den nächsten Jahrzehnten entwickeln werden „, erklärt Nuno Oscar.

Das Marktpotenzial für Biogas, welches in einem Kraftwerk durch anaerobe Verdauung produziert wird, ist sehr groß und das Marktwachstum kann in einigen europäischen Ländern, wie Italien oder der Tschechischen Republik, in Ländern Nord- und Südamerikas, wie Brasilien, USA, Kanada, und in Ländern der Asien-Pazifik-Region, wie Indien und Australien exponentiell sein. Unternehmen, die in diesem Sektor agieren oder in ihn investieren, sollten das Risiko, das zu erwartende Nachfragewachstum in diesen Ländern zu verpassen, abwägen und an Plänen für eine internationale Expansion und Investitionen arbeiten.

Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050

Eine neue Studie des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien (FVEE) zeigt, wie sich bis zum Jahr 2050 eine zuverlässige, kostengünstige und robuste Energieversorgung mit erneuerbaren Quellen in Deutschland erreichen lässt. Der Sprecher des FVEE, Prof. Dr. Vladimir Dyakonov, hat diese heute Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen überreicht. Röttgen: „Wenn wir unsere Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien erreichen wollen, dürfen wir an Zukunftsinvestitionen nicht sparen. Wir müssen die Forschung verstärken und die Netze ausbauen. Die Studie belegt, wie sich diese Investitions- und Entwicklungskosten langfristig lohnen, weil die Energieträger günstiger werden.“ Die Ergebnisse werden in die Arbeiten zum Energiekonzept der Bundesregierung einfließen.

Mit der Studie zeigen die Wissenschaftler, dass mit den entsprechenden Forschungsanstrengungen und den fördernden politischen Rahmenbedingungen eine Vollversorgung auf der Grundlage von erneuerbaren Energien bis Mitte des Jahrhunderts möglich ist. Die Kosten für das nachhaltige Energiesystem liegen langfristig unter denen von herkömmlichen Alternativen.

 

Weitere Ergebnisse der Studie 

Bei der vernetzten Betrachtung aller wichtigen Elemente des nachhaltigen Energiesystems, von der Bereitstellung über den Transport und die Verteilung bis zur Energiedienstleistung, lässt sich die Energieeffizienz erheblich erhöhen. Die gesamte Palette der Erneuerbaren hat ein Potenzial, das um ein Vielfaches höher ist als der durch umfangreiche Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung deutlich gesenkte Gesamtenergiebedarf. Die Vielfalt der Erneuerbaren in Verbindung mit Speichertechnologien gewährleistet dabei, dass die Versorgung jederzeit sichergestellt werden kann. Dazu muss auch der Stromverbrauch über intelligente Stromnetze (smart grids) stärker an das jeweilige Angebot von Wind und Sonne angepasst werden.

Für die Überbrückung längerer Phasen mit geringem Angebot erneuerbarer Energien kann in Zeiten mit hohem Angebot der Strom aus Wind und Sonne in chemischen Energieträgern gespeichert und bei Bedarf ins Netz zurückgespeist werden.

„Erneuerbare Energien“ in zwei Bände

Band 1

Der erste Band der Buchreihe zeigt Perspektiven und Strategien zum Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien zur nachhaltigen Energieversorgung auf. Der Blickwinkel reicht von den globalen Herausforderungen — Desertec Konzept — über die Entwicklung des Energiemix in Deutschland bis hin zu Strategien führender Energieversorger. Wichtige rechtliche und wirtschaftliche Fragestellungen werden von ausgewiesenen Fachleuten diskutiert.

Band 2

Der zweite Band ist vornehmlich den technischen Aspekten gewidmet. Bei den Ersatzbrennstoffen werden Analytik und Probenahme, Aufbereitung und energetische Verwertung ausführlich behandelt. Den Themenschwerpunkt Biomasse bildet die Nutzung durch Verbrennung, Vergasung und Vergärung. Zur Solartechnik wird ein Überblick über die Varianten und Betriebsweisen gegeben sowie über Entwicklung und Finanzierung berichtet. Ergänzt werden die strategischen und rechtlichen Ausführungen zur Windenergie im Band 1 mit einer technischen Betrachtung über die Zuverlässigkeit dieser Anlagen an Binnenstandorten und unter Offshore-Bedingungen.

Beide Bände liegen als gebundene Ausgabe mit zahlreichen Abbildungen vor und enthalten ein detailliertes Schlagwortverzeichnis, das ein schnelles Auffinden fachspezifischer Themen ermöglicht. Band 1 ist in Schwarz-weiß-Druck erschienen, Band 2 in farbiger Ausführung.

Die Bücher wenden sich an Entscheidungsträger und Fachleute in der Politik, in Behörden, in der Entsorgungswirtschaft und Wissenschaft, an Ingenieur- und Beratungsbüros sowie an Anlagenbauer und -betreiber.

Biogas kann’s

Mit der Broschüre „Biogas kann’s“ will der Fachverband Biogas e.V. den in letzter Zeit vermehrt auftretenden Vorbehalten gegen Biogasanlagen mit Fakten begegnen. Häufig sind es mangelnde oder falsche Informationen, die bei der Bevölkerung Skepsis und Unbehagen gegenüber dem erneuerbaren Energieträger Biogas erzeugen. Die „Biogas kann’s“-Broschüre verdeutlicht , dass Biogasanlagen nicht gefährlich sind, nicht stinken und in der Regel auch nicht für hohe Pachtpreise verantwortlich gemacht werden können.

Zahlen und Hintergründe dokumentieren, dass die energetische Nutzung von Biogas hohe Klimaschutzeffekte erzielt, zahlreiche Arbeitsplätze in ländlichen Regionen schafft und für die dringend notwendige Energiewende unersetzbar ist. „Als einzige erneuerbare Energiequelle, die sowohl zur Strom- und Wärmeerzeugung wie auch als Kraftstoff zur Verfügung steht, ist Biogas im regenerativen Energiemix der Zukunft elementar wichtig“, erklärt der Präsident des Fachverbandes Biogas, Josef Pellmeyer.

Sicherheitsleistungen jetzt Pflicht

Es haben sich neue Bestimmungen bezüglich der Sicherheitsleistungen von Abfallentsorgungsanlagen ergeben. Zum 1.3.2010 ist Artikel 2 des Rechtsbereinigungsgesetzes in Kraft getreten. Dies hat zur Folge, dass § 12 Abs. 1 Satz 2 und § 17 Abs. 4a Satz 1 des BImSchG einer Veränderung unterlegen sind. Die „Kann“-Bestimmung zur Festlegung einer Sicherheitsleistung ist zu einer „Soll“-Bestimmung geworden. Bei Anlagen, die unter den 8. Abschnitt des Anhangs zur 4. BImSchV fallen, ist somit im Genehmigungsverfahren normalerweise immer eine Sicherheitsleistung zu erbringen. Desgleichen gilt für Anlagen, die Teil oder Nebeneinrichtung einer anderweitig genehmigungsbedürftigen Anlage sind. Für bestehende Anlagen muss eine nachträgliche Anordnung zur Auferlegung einer Sicherheitsleistung geprüft werden. Der Verzicht auf eine Sicherheitsleistung ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich und dafür muss § 5 Abs.3 des BImSchG erfüllt werden. Dieser Paragraph legt die Art der Nachsorgepflichten fest.

Mit den Sicherheitsleistungen sollen u.a. die Entsorgungskosten für die maximal durch eine Genehmigung zugelassene Abfallmenge, wozu auch Bereitstellungslager zählen, im Fall einer Zahlungsunfähigkeit abgedeckt werden. Bei Anlagen ohne Beschränkung wird die maximale Anlagenkapazität als Grundlage genommen.

Die Sicherheitsleistung entspricht weiterhin den jeweils abfallspezifischen Entsorgungs- kosten. Falls die Stoffe bei der Behandlung den Abfallcharakter verlieren, ist mit Nachweisen eine Sicherheitsleistung entbehrlich. Weitere Kosten fallen für die Sicherung, Bewachung und Wiederherstellung des Geländes an.

Bei Abfallstoffen mit positivem Marktwert über einen gewissen Zeitraum ist eine Sicherheitsleistung nicht erforderlich. Des Weiteren müssen Abfallentsorgungsanlagen mit geschätzten Entsorgungskosten bis 20.000 € ebenfalls keine Sicherheitsleistung erbringen. Eine weitere Möglichkeit, keine Sicherheitsleistung zu erbringen, liegt im Bedarfsfall in der Übernahme der Entsorgungskosten durch Dritte. Ebenso können durch den Mieter eines Grundstückes (Betreiber der Anlage) an den Eigentümer eines Grundstückes angebotene Sicherheiten die Höhe der Sicherheitsleistung mindern.

Bei einer nachträglichen Anordnung für bereits bestehende Anlagen ist eine Anhörung des Anlagenbetreibers erforderlich. Der Anlagenbetreiber kann sich hier zu der Höhe der Leistung äußern. Dennoch ist bei Verzicht auf eine Sicherheitsleistung nachträglich die Erbringung einer Leistung möglich. Für bereits bestehende Anlagen kann ein sukzessiver Aufbau der Sicherheitsleistung vereinbart werden. Auch führen Neugenehmigungen oder wesentliche Änderungen von Anlagen ebenfalls zu einer Sicherheitsleistung.

Neues Kreislaufwirtschaftsgesetz nimmt Form an

Mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) wird das deutsche Abfallrecht stärker am Klima- und Ressourcenschutz ausgerichtet, rechtssicherer gestaltet und durchgreifend modernisiert. Wie der europaticker berichtet, hat das Bundesumweltministerium am Freitag den Referentenentwurf zur Novelle des Gesetzes den betroffenen Wirtschafts- und Umweltverbänden, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zur Stellungnahme zugeleitet. Mit dem neuen KrWG soll die neue EU-Abfallrahmenrichtlinie umgesetzt werden. Die mündliche Anhörung der beteiligten Kreise war vom 20. bis 23. September 2010. Der Referentenentwurf ist innerhalb der Bundesregierung noch nicht abschließend abgestimmt. Die Anhörung soll die endgültige Beschlussfassung der Bundesregierung vorbereiten.

Kern der Novelle ist die neue fünfstufige Abfallhierarchie. Sie legt eine differenzierte Stufenfolge fest aus:

  •  Abfallvermeidung
  • Vorbereitung der Abfälle zur Wiederverwendung
  • Recycling
  • sonstige, insbesondere energetische Verwertung der Abfälle und
  • Abfallbeseitigung.

Vorrang hat die Option, die aus Sicht des Umweltschutzes die beste Lösung darstellt; technische und wirtschaftliche Bedingungen sind dabei zu berücksichtigen. Die neue Hierarchie führt daher zu einer Verstärkung von Abfallvermeidung und Recycling. Über die bisherigen Regelungen zur Produkt- und Produktionsverantwortung hinaus wird der Bund unter Beteiligung der Länder bis 2013 ein Abfallvermeidungs-Programm erstellen, das die bestehenden Vermeidungsmaßnahmen bewertet und – falls nötig – fortentwickelt.

Zur Verbesserung der Ressourcennutzung sieht der Gesetzentwurf die Einführung von anspruchsvollen Recycling- und Verwertungsquoten vor, die über die EU-rechtliche Vorgabe hinausgehen. Ab dem Jahr 2020 sollen mindestens 65 Prozent aller Siedlungsabfälle und mindestens 80 Prozent aller Bau- und Abbruchabfälle recycelt oder stofflich verwertet werden. Zur Stärkung der Nutzung des Bioabfalls soll zudem bis zum Jahr 2015 eine flächendeckende Getrenntsammlung eingeführt werden.

Um das Ressourcenpotential werthaltiger Abfälle aus privaten Haushaltungen effektiver und hochwertiger zu nutzen, schafft der Gesetzentwurf die rechtlichen Grundlagen für die Einführung einer „Wertstofftonne“, mit der Verpackungen und stoffgleiche Nicht-Verpackungen gemeinsam erfasst und einem Recycling zugeführt werden sollen. Die Zuständigkeit kommunaler und privater Entsorgung wird klarer ausgestaltet und stärker an den Anforderungen des Ressourcenschutzes ausgerichtet.